Unruhe in Verl - Bundeswehr und Ordnungsamt kontrollieren Wohnungen

Quarantänezone

Bundeswehr, Deutsches Rotes Kreuz und Ordnungsamt haben am Sonntag in Verl unter Quarantäne gestellte Wohnungen untersucht. Die Bewohner fühlen sich nicht ausreichend informiert.

Verl

21.06.2020, 16:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach positiven Corona-Tests bei zahlreichen Tönnies-Mitarbeitern hat die Stadt Verl eine Quarantänezone eingerichtet.

Nach positiven Corona-Tests bei zahlreichen Tönnies-Mitarbeitern hat die Stadt Verl eine Quarantänezone eingerichtet. © picture alliance/dpa

Schon mehrere Meter entfernt sind die blau-weißen Transporter der Polizei neben den hohen Bauzäunen zu erkennen. Hinter der Absperrung stehen kleine Kinder, Männer, Frauen. Viele von ihnen arbeiten in Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Sie alle stehen seit Freitag unter Quarantäne wegen des Corona-Ausbruchs dort.

Am Samstagabend hatte die Stadt die Bauzäune errichten lassen, um eine „Quarantänezone“ einzurichten. Insgesamt sind etwa 670 Menschen in Sürenheide in Verl betroffen. „150 der Bewohner arbeiten nicht für Tönnies, sondern für andere Unternehmen in der Region“, sagt Bürgermeister Michael Esken (CDU). „Die sind da aber natürlich auf engem Kontakt, leben Tür an Tür.“ Daher wurden auch diese Wohnungen unter Quarantäne gestellt.

670 Menschen werden mit Nahrungsmitteln versorgt

An einer Straßenecke kommen Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) des Kreises Gütersloh an. Gelbe Mäntel aus Plastik, blaue Handschuhe, Mundschutz und Schutzbrille - die Mitarbeiter sind ausgerüstet. Sie sind an der Unterkunft in Verl für die Versorgung mit Lebensmitteln zuständig. Mit einem großen Lastwagen rollen sie rückwärts zum Bauzaun, der die Grenze zwischen ihnen und den Menschen in Quarantäne bildet.

Hinter dem Zaun stehen rund zehn Männer und Frauen. In einer Schlange gehen sie zu dem kleinen Spalt am Zaun. Jeder bekommt eine Tüte mit Brot in die Hand gedrückt. Dann ist der Nächste dran. Bürgermeister Michael Esken sichert die Versorgung der 670 Menschen in den Wohnungen in Verl zu. „Wir haben hier rund 60 Kinder, davon 20 unter drei Jahren“, sagt Esken. Da sei die Versorgung durch das DRK besonders wichtig. Der Mensch müsse nun im Mittelpunkt stehen.

„Wir sind Freiheit gewöhnt und jetzt sind wir hier eingesperrt“

Vor den Häusern in Verl wird es langsam unruhig. „Wir bekommen keine Informationen. Wann werden wir getestet?“, fragt ein Bewohner. Die Ankunft der für den Vormittag angekündigten mobilen Teams verzögert sich. Der 50-Jährige arbeitet nicht bei Tönnies, er kennt jedoch Familien im Haus, die dort arbeiten. Sein Nachbar erzählt, er habe Angst, dass die Lage in den unter Quarantäne gestellten Wohnungen bald eskaliere. „Wir sind Freiheit gewöhnt und jetzt sind wir hier eingesperrt“, sagt der 26-Jährige. Er möchte so schnell wie möglich getestet werden und bei einem negativen Ergebnis wieder arbeiten gehen.

Einige Meter weiter wird eine 88 Jahre alte Anwohnerin mit Rollator von ihrer Tochter mit Medikamenten versorgt. „Sie bekommt eigentlich Essen auf Rädern, das war heute Mittag auch schon nicht da“, so der Schwiegersohn. „Es hat sich niemand gemeldet, wie das nun laufen soll.“ Auch ob die Post zugestellt werde, wüssten sie nicht. „Drinnen ziehst du die Handschuhe dann aus und wirfst sie direkt weg“, erklärt die Tochter noch ihrer Mutter.

Kritik an der Informationspolitik von Tönnies

Gegen 13 Uhr erreichen dann die mobilen Teams die Siedlung in Verl. Mitarbeiter der Bundeswehr steigen aus. In einer Kolonne laufen sie zu den ersten Wohnungen. Am Bauzaun drängeln sich schon die Menschen. Ein Bundeswehrmitarbeiter macht Platz und schickt die Menschen in ihre Wohnungen. Die Männer in weißen Schutzanzügen betreten das Gelände.

„Die Kontrolle soll hier flächendeckend stattfinden“, sagt Heribert Schönauer, Erster Beigeordneter der Stadt Verl. Inzwischen geht die Stadt davon aus, alle Wohnadressen der Tönnies-Mitarbeiter zu haben. „Die Informationspolitik von Tönnies war lange unzureichend“, sagt Schönauer.

dpa

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