"Nach mir die Sintflut" feiert Premiere im PRT

Der Geist Afrikas

Die Toten sind nicht tot. Der Hauch der Ahnen umgibt uns in jedem Fluss, in jedem Wind. So heißt es in Afrika. So ist es zu hören zu Beginn von Sibylle Broll-Papes Inszenierung „Nach mir die Sintflut“ von Lluisa Cunillé. Im Prinz Regent Theater, hier in diesem Land, in dem wir nicht mit Geistern leben, birgt die Geschichte von dem europäischen Geschäftsmann, der Übersetzerin und einem alten, verkrüppelten Afrikaner so manches Rätsel.

BOCHUM

von von Ronny von Wangenheim

, 06.09.2012, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zwei starke Schauspieler: Anuk Ens und Wolfram Boelzle liefern sich in »Nach mir die Sintflut« im Prinz Regent Theater intensive Rededuelle.

Zwei starke Schauspieler: Anuk Ens und Wolfram Boelzle liefern sich in »Nach mir die Sintflut« im Prinz Regent Theater intensive Rededuelle.

Die Schwächen des Abends sind somit dem Stück anzulasten. Allzu konstruiert erscheint die Geschichte. Dabei ist der Trick, den alten Afrikaner nicht selbst auf die Bühne zu stellen, ihn nur durch die Übersetzerin sprechen zu lassen, erst einmal gelungen. Sie übersetzt, dass der Alte dem Geschäftsmann seinen Sohn nach Europa mitgeben will. Als Fußballspieler oder Leibwächter, egal, Hauptsache raus aus dem Kongo. Die Geschichte des Sohns wird erzählt, und damit die Geschichte des Kongos, des einstigen Zaire. Der Achtjährige, der verschleppt und zum Kindersoldaten gemacht wird, der tötet und zusehen muss, wie Babys aus den Leibern ihrer Mütter geschnitten werden – das ist drastisch. Aber auch der Kolonialismus, die Ausbeutung des an Rohstoffen so reichen Landes durch Europa und die eigenen Machthaber werden thematisiert.

Blicken die beiden anfangs noch zum dritten, leeren Stuhl, sehen sie sich bald direkt in die Augen. Was sagt der Alte wirklich, was tatsächlich die Übersetzerin? Was für eigene Interessen hat sie, die anfangs von einem Medizinmann berichtet, der nach einer Fehlgeburt den Geist des ungeborenen Kindes aus ihr befreit habe? Schwächen der beiden werden offensichtlich – seine Krankheit, seine Hoffnung, in Afrika seine Seele wieder zufinden, ihre Furcht vor der Welt außerhalb des Hotels, das sie nicht mehr verlässt. Viele, allzu viele Fäden werden aufgenommen, weiter gesponnen, führen dann aber nicht zu einem logischen Ergebnis. Irgend etwas passt nicht, spürt man nach 80 intensiven Minuten. So verließen viele Zuschauer den Theatersaal mit Fragen. Dass diese bei der Premierenfeier diskutiert wurden, darf auch als ein Erfolg der Inszenierung verbucht werden. Die nächsten Vorstellungen sind am 18. September, 10 und 17. Oktober, jeweils 20 Uhr.