Nach Missbrauchsvorwürfen gegen Pfarrer: Stadt Dormagen will Straße umbenennen

Missbrauchsvorwürfe

Gegen einen ehemaligen Pfarrer der Gemeinde erhebt eine Frau erhebliche Vorwürfe. Jetzt reagiert die Stadt Dormagen - und will eine Straße und einen Platz umbenennen.

Dormagen

29.07.2021, 15:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Stadt Dormagen will einen Platz und eine Straße umbenennen, weil es Missbrauchsvorwürfe gegen einen Pfarrer gibt.

Die Stadt Dormagen will einen Platz und eine Straße umbenennen, weil es Missbrauchsvorwürfe gegen einen Pfarrer gibt. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen ehemaligen Pfarrer will die Stadt Dormagen eine Straße und einen Platz umbenennen. „Uns liegen zwei Bürgeranträge vor. Es ist unser Bestreben, die Biesenbachstraße und den Gustav-Biesenbach-Platz umzubenennen“, sagte ein Stadtsprecher am Donnerstag auf Anfrage. Über die Anträge müsste nun der Stadtrat Mitte September befinden, so der Stadtsprecher. Zuvor hatte unter anderem der WDR berichtet.

Eine heute 83 Jahre alte Frau hatte Missbrauchsvorwürfe gegen den katholischen Pfarrer Gustav Biesenbach öffentlich gemacht, der von 1906 bis zu seinem Tod 1952 in der St. Aloysius-Gemeinde im Dormagener Ortsteil Stürzelberg tätig gewesen war.

Die Dame hatte berichtet, dass sie im Alter von elf Jahren 1949 bei einer Kinderlandverschickung aus dem zerstörten Berlin nach Dormagen gekommen war. Dort sei sie bei eine Familie untergebracht gewesen, die dem Geistlichen nahestand. Dieser soll sie im Verlauf ihres Aufenthaltes mehrfach sexuell missbraucht haben.

Opfer wird von Gemeindepfarrer unterstützt

Unterstützt wird die 83-Jährige vom heute zuständigen Pfarrer der Gemeinde. Die Umbenennung sei für sie wichtig. „Das ist ja eine Wunde in der Seele, die wie ein Schleier über ihrem Leben liegt. Und wenn sie dann erfährt, aha, der Täter hat eine solche Ehrung mit Platz und Straße, dann lässt ihr das auch keine Ruhe.“

Den Angaben der Stadt zufolge gibt es schon einen Vorschlag für neue Namen. Straße und Platz sollen nach der letzten Bürgermeisterin der ehemals selbstständigen Stadt Zons, Hannelu Manitz, benannt werden. Zons ist seit der Gebietsreform 1975 ein Stadtteil von Dormagen.

Erst Anfang Juli hatte die niederrheinische Stadt Korschenbroich in einem ähnlich gelagerten Fall beschlossen, nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen 1993 gestorbenen Pfarrer einer nach ihm benannten Straße einen neuen Namen zu geben.

dpa

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