"Nach Troja I: Fieber": Theater wie im Wahn

Abschluss der Trilogie

MITTE Während die großen Ruhrgebiets-Theater ihre Zuschauer weiter auf eine Odyssee durch das Ruhrgebiet schicken, führt auch das freie Rottstr5-Theater seine Reihe zum Mythos fort. Mit der Premiere des letzten Teils dreht Arne Nobel die Schraube noch ein Stück weiter: "Nach Troja I: Fieber" ist Theater wie im Wahn.

von Von Max Florian Kühlem

, 26.03.2010, 14:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Selbst mit 39 Grad Fieber hängt Helena unablässig an der Wasserpfeife.

Selbst mit 39 Grad Fieber hängt Helena unablässig an der Wasserpfeife.

Vorgestellt werden die Top-Celebrities der Antike: Helena und Paris, die sich nach der Flucht aus Sparta in einem Bunker kurz vor Troja verstecken müssen. Gleich mit dem ersten Satz ahnt man, wie die beiden ticken: "Mit dieser Fluggesellschaft fliege ich nie wieder", sagt die schöne Helena, als ob es sich um eine existenzielle Tatsache handeln würde. "Unser Körper ist der wahre Tempel der Götter", verkündet der Sohn des trojanischen Herrschers kurze Zeit später.

Derart von Luxus- und Selbstsucht berauscht, führen die beiden im Bunker ein Schauspiel ohne ihr gewohntes Publikum auf: Jedes Wort und jede Geste stecken voller Pathos. So wie das Bühnenbild überschreitet auch die Textkompilation des Autors und Regisseurs Nobel lustvoll die Grenze zum Trash. Das  bemerken auch die Figuren, die er sagen lässt: "Das hört sich an wie ein Dialog aus einem 70er-Jahre-Pornofilm."