Nachbar von Jaden (9): "Da lag der Junge, im Müll"

Doppelmord-Prozess gegen Marcel H.

Im Doppelmord-Prozess von Herne hat am Donnerstag ein Nachbar des kleinen Jaden ausgesagt. Er berichtete von verstörenden Szenen: Der 39-jährige Herner hatte versucht, den Neunjährigen nach der grausamen Tat wiederzubeleben. Vergebens.

BOCHUM

21.09.2017, 14:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Er hat mir sein Geständnis praktisch diktiert“, sagte ein Polizeikommissar über den angeklagten Marcel H..

„Er hat mir sein Geständnis praktisch diktiert“, sagte ein Polizeikommissar über den angeklagten Marcel H..

Im Doppelmord-Prozess gegen Marcel H. aus Herne hat ein Nachbar am Donnerstag berichtet, wie er versucht habe, den kleinen Jaden wiederzubeleben. „Es war eine Nacht, die ich keiner Familie wünsche“, sagte der 39-jährige Herner im Prozess am Bochumer Landgericht. „Ich bin selbst Vater von sechs Kindern. Das geht einem richtig an die Nieren, wenn man sein Kind verliert – auf so bestialische Art und Weise.“

Ans Licht getragen und direkt mit der Wiederbelebung begonnen

Der Zeuge hatte am Abend des 6. März 2017 plötzlich laute Schreie von der Straße gehört. „Mein Sohn, mein Sohn, der verblutet“, soll der Stiefvater des neunjährigen Jaden gerufen haben. Der Zeuge war dem Stiefvater daraufhin in den Keller des Nachbarhauses gefolgt. „Da lag der Junge, im Müll.“ Er habe ihn dann ins Licht getragen und sofort mit der Wiederbelebung begonnen. Das habe jedoch nicht funktioniert.

Darüber hinaus ist kurz vor Prozessbeginn bekannt geworden, dass der Angeklagte Marcel H. offenbar Post ins Gefängnis bekommt und auch beantwortet. In einem abgefangenen Brief an eine „Juliane“ heißt es offenbar scherzhaft: „Ich glaube, dass ich mit Bewährung oder 10.000 Sozialstunden rauskomme ... nicht.“

Marcel H. hat über seinen Anwalt bereits zugegeben, im März erst den neunjährigen Nachbarsjungen Jaden und einen Tag später seinen ehemaligen Schulfreund Christopher umgebracht zu haben. Bilder der Leichen waren damals quasi in Echtzeit im Internet aufgetaucht.

Der Fall Marcel H.: Chronologie der Ereignisse

  • Montag, 6. März: Der mutmaßliche Täter Marcel H. soll den neunjährigen Jaden in Herne unter einem Vorwand ins Haus gelockt und ihn mit 52 Messerstichen getötet haben. Die Polizei teilt am 6. März zunächst mit, dass ein 19-Jähriger aus der Nachbarschaft auf der Flucht sei.
  • Dienstag, 7. März: Die Polizei gibt mehr Details über den Gesuchten bekannt. Der mutmaßliche Mörder, Marcel H., habe sich im Internet mit der Tat gebrüstet und auch Bilder davon online verbreitet, heißt es.
  • Mittwoch, 8. März: Bei der Fahndung durchsuchen Polizisten eine Schule im 25 Kilometer von Herne entfernten Wetter. Ein Passant will den Flüchtigen dort gesehen haben, doch der bleibt verschwunden.
  • Donnerstag, 9. März: Mittlerweile gibt es rund 1400 Hinweise aus der Bevölkerung, doch zunächst noch immer keine heiße Spur. Die Ermittler durchsuchen unter anderem ein Krankenhaus in Mönchengladbach. Am Abend meldet die Polizei: Der mutmaßliche Kindermörder ist gefasst. Er habe sich in einem Imbiss in Herne selbst gestellt, heißt es. In einer brennenden Wohnung wird ein weiterer Toter entdeckt – Marcel H. selbst hatte den Hinweis darauf gegeben. Dort soll er den 22-jährigen Christopher – einen alten Schulfreund, bei dem er sich versteckt hielt – zuvor mit 68 Stichen umgebracht haben.
  • Freitag, 10. März: Der mutmaßliche Kindermörder wird von der Polizei vernommen. Welchen Zusammenhang es zwischen beiden Fällen gibt, bleibt zunächst ungeklärt. Der junge Mann sei nach seinen Aussagen in der Vernehmung nicht nur von gescheiterten Bewerbungen unter anderem als Zeitsoldat bei der Bundeswehr frustriert gewesen. Der 19-Jährige sei zudem dabei gewesen, mit den Eltern in eine Nachbarstadt Hernes umzuziehen. In dem Zusammenhang habe er befürchtet, den Zugang zum Internet zu verlieren.
  • Montag, 3. Juli: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Marcel H.. Sie wirft ihm als Motiv Mordlust vor.
  • Freitag, 8. September: Der Prozess gegen Marcel H. beginnt in Bochum. Er legt über seinen Anwalt ein Geständnis ab. Und lässt ausrichten, "dass er den Anklagevorwürfen nicht entgegentritt“.
  • Dienstag, 19. September: Ein Polizist berichtet vor Gericht von der Vernehmung nach der Tat im März: "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass ihm irgendetwas Leid tut."

Chronik: dpa/sils

 

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