Wenn auf dem ehemaligen Freizeitbadgelände in Massen eine Schule gebaut wird, dann kann der Fluglärm dort ja nicht so schlimm sein – diese Schlussfolgerung aus der Entscheidung, die Hellweg-Realschule in Nähe des Flughafens Dortmund neu zu bauen, birgt für Unna viele Risiken, finden Anwohner in Massen.

Unna

, 09.08.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Pläne, die Hellweg-Realschule auf dem Gelände des ehemaligen Freizeitbades Massen zu bauen, stoßen bei der Schutzgemeinschaft Fluglärm auf Unverständnis. „Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen“, sagt die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft, Ursula Wirtz, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich frage mich, ob Unna damit nicht seine rechtliche Position in weiteren Verfahren schwächt, wenn es um die Ausweitung der Betriebszeiten und die Verlängerung der Landebahn geht“, meint Wirtz.

Änderung des LEP stärkt Ausbaupläne

Dabei scheinen reguläre Starts bis 22.30 Uhr und Landungen bis 23 Uhr offenbar nun tatsächlich Realität zu werden: Es gibt Hinweise darauf, dass die Bezirksregierung Münster die entsprechende Genehmigung des Antrags auf Änderung der Betriebszeit in diesen Tagen zustellt. Offiziell bestätigt ist dies noch nicht. Annika Neumann, Pressesprecherin des Flughafens Dortmund, sagt auf Anfrage, dass aktuell noch kein Bescheid der Bezirksregierung Münster vorliege. Auch die Bezirksregierung Münster wollte dies auf Anfrage unserer Zeitung am Mittwoch zunächst nicht bestätigen. Pressesprecherin Sigrun Rittrich verwies auf den laufenden Abstimmungsprozess innerhalb der Behörde. Allerdings: „Eine Entscheidung ist nahe“, sagte sie.

Eine Entscheidung für die verlängerten Flugzeiten würde zu den Plänen der Landesregierung passen, die im Zuge einer Änderung des Landesentwicklungsplanes (LEP) die Unterscheidung zwischen landesweit und regional bedeutsamen Flughäfen aufheben möchte. Die bisher geltende Unterscheidung würde kleinere Flughäfen in ihrer Entwicklung behindern, so die Argumentation der Landesregierung.

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Die Stadt Unna hatte sich mit einer Stellungnahme in dem Verfahren zur Öffentlichkeitsbeteiligung zu den LEP-Änderungen gegen diese so erfolgende höhere Einstufung des Dortmunder Flughafens gewandt. Die Begründung: Eine Stärkung der bisher regional bedeutsamen Flughäfen könne im Fall Dortmund bedeuten, das Nachtflüge und eine Verlängerung der Stadt und Landebahn in Richtung Unna leichter durchzusetzen wären.

Die Sorgen, dass ein Schulneubau so nah an der Einflugschneise des Flughafens möglicherweise dem Ausbau des Flughafens Auftrieb geben könnte, teilen Anwohner aus Massen mit der Schutzgemeinschaft Fluglärm. Nach unserer Berichterstattung über das von SPD-Ratsherr Ralph Bürger geforderte Lärmgutachten für den Neubau der Hellweg-Realschule auf dem Freizeitbad-Gelände meldete sich ein Anwohner. „Wenn wir dort jetzt eine Schule bauen, dann sieht es doch so aus, als wenn Unna von dem Fluglärm gar nicht so sehr betroffen wäre. Das öffnet doch Tür und Tor für Betriebszeiten-Verlängerungen und den Ausbau der Landebahn“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Schutzgemeinschaft: Baulich lässt sich der Fluglärm nicht aussperren

Zudem sei die Flugschneise wesentlich breiter als in den Lärmkarten des Landesumweltamtes dargestellt. „Die Flieger kommen doch nicht immer auf der Ideallinie herein. Dadurch ist die Flugschneise viel breiter; sie fächert sich regelrecht auf“, meint er. Wenn nun tatsächlich die Landebahn verlängert werden sollte, dann würden die Flugzeuge noch viel tiefer über Massen und damit auch über der Realschule fliegen. „Da kann doch kein Unterricht stattfinden.“

Um den Fluglärm so gut wie eben möglich aus den Unterrichtsgebäuden fernzuhalten, hatte SPD-Ratsherr Ralph Bürger ein unabhängiges Lärmgutachten gefordert. Anhand dieses Gutachtens könnten die Gebäude beispielsweise bewusst so angeordnet werden, dass ihre Fensterfronten möglichst von der Flugschneise wegweisen.

Über diese Pläne kann Ursula Wirtz nur den Kopf schütteln: „Der Schall wird doch von den Gebäuden reflektiert. Das ist baulich nahezu unmöglich, den Lärm zu reduzieren“, meint sie. Zumal irgendwann schließlich auch frische Luft in die Unterrichtsräume gelassen werden müsse. „Die Fenster können ja nicht dauerhaft geschlossen sein. Und eine Klimaanlage ist aus meiner Sicht auch keine Lösung, denn sie ist letztlich wieder eine neue Lärmquelle.“

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