Nackter Mann, der brennt

Friedrich Ani

Können Sie sich das vorstellen? Dass Sie Sympathien für einen Mann entwickeln, der im scheinbar idyllischen süddeutschen Heiligsheim reihenweise Honoratioren des Dorfes böse quält und dann umbringt?

30.10.2016, 10:58 Uhr / Lesedauer: 1 min

 Ob Doktor, Apotheker oder Rechtsanwalt, keiner ist vor Ludwig Dragomirs Rache sicher. Was ist das dunkle Geheimnis des angeblich Zugezogenen?

Kindesmissbrauch

Der preisgekrönte Krimi-Autor Friedrich Ani, ein Meister des "Noir", macht seine Leser im neuen Werk "Nackter Mann, der brennt" zu Komplizen des mörderischen Treibens seines Protagonisten, der in seinem Geburtsort Jahrzehnte nach seiner Rückkehr viele bittere Rechnungen zu begleichen hat.

Es geht um Kindesmissbrauch in den "besseren Kreisen", um ein Kartell des Schweigens in einem ehrenwerten Dorf, darum, dass aus einem Opfer lange und quälende, innerlich zerreißende Zeit später ein Täter wird. Einer, dessen Taten mit jeder Buchseite nachvollziehbar werden.

Gruselig, aber gut.

Friedrich Ani: Nackter Mann, der brennt, 223 S., Suhrkamp, 20 Euro, ISBN 978-3-5184-2542-8.