Nazi-Fackelmarsch: Landschaftsverband stellt Anzeige

Volkstrauertag

Nach dem Fackelmarsch von mindestens 60 Neonazis am Volkstrauertag auf der Syburg hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Eigentümer des Grundstücks eine Strafanzeige wegen Landfriedensbruchs gestellt.

SYBURG

von Von Peter Bandermann

, 13.12.2011, 10:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Stunden vor der offiziellen Kranzniederlegung zum Volkstrauertag hatten Neonazis an der Syburg noch im Dunkeln einen Fackelmarsch unternommen.

Stunden vor der offiziellen Kranzniederlegung zum Volkstrauertag hatten Neonazis an der Syburg noch im Dunkeln einen Fackelmarsch unternommen.

Der SPD-Ortsverein Syburg lässt außerdem von einem Juristen prüfen, ob der Marsch durch die Nacht am 13. November ein Verstoß gegen das Versammlungsrecht darstellt. Wie berichtet, hatte die Syburger Dorfgemeinschaft am Volkstrauertag einen Kranz niedergelegt, um an die Opfer totalitäter Staatsgewalt zu erinnern. Doch Parteien, Kirche, Feuerwehr, ein Chor und Bürger waren an diesem Volkstrauertag nicht allein unterwegs. Stunden zuvor hatten Neonazis im Schutze der Dunkelheit einen Fackelmarsch unternommen.  

Die Syburger SPD will gegen den als "Heldengedenken" deklarierten Aufmarsch juristisch vorgehen. "Wir prüfen das zurzeit", sagte der Ortsvereins- und SPD-Fraktionsvorsitzende Sascha Hillgeris am Dienstag. "Schon einmal hatten die Nationalsozialisten den Volkstrauertag für sich vereinnahmt", erinnerte Hillgeris an die Propaganda im Dritten Reich, "solchen einen Aufmarsch das lassen wir uns nicht noch einmal bieten."Die "autonomen Nationalisten", die in SA-Manier in Reih und Glied auf der Syburg standen, wollten mit dem Aufmarsch einen "positiven Bezug zur eigenen Geschichte" herstellen - was ein in der Sprache zwar verschleiertes, aber dennoch klares Bekenntnis zum Nationalsozialismus ist. Strafrechtlich ist diese Formulierung nicht relevant. "Solche Bekenntnisse haben hier nichts zu suchen", begründet Hillgeris die Initiative der SPD.

  Den ersten Volkstrauertag gab es bereits in der Weimarer Republik. Der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge wollte damit wenige Wochen vor Ostern und erstmals 1926 an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918) erinnern. Für die Nationalsozialisten stand später nicht mehr das Totengedenken, sondern die Heldenverehrung im Vordergrund. Um diese Heldenverehrung ging es auch den Neonazis in der Nacht zum 13. November auf der Syburg.

Hillgeris hatte den Aufmarsch am 13. November während der offiziellen Gedenkveranstaltung als "übelste Propaganda" bezeichnet. Pfarrer Ralf Greth von der evangelischen Kirche stellte klar, dass die nationalistischen Gedanken gegen Versöhnung und Respekt gerichtet seien. Der Volkstrauertag verfolge ein anderes Ziel.

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