Nazi-Parodie ist eine Mischung aus Radau, Persiflage und Stuss

Im Kino

Über die Leinwand flackert eine Collage. Hitler im Original, Helge Schneider als Hitler, Adolf auf dem „Spiegel“-Titel, Kohl und Merkel mit vermeintlichem deutschen Gruß, TV-Bilder von Neonazis. Sage keiner, deutsche Medien sei nicht besessen vom braunen Spuk.

20.07.2015, 14:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Muster-Arier Sven (Mitte, Benno Fürmann) trichtert in „Heil“ einem afrodeutschen Autor rechte Parolen ein.

Muster-Arier Sven (Mitte, Benno Fürmann) trichtert in „Heil“ einem afrodeutschen Autor rechte Parolen ein.

Danach zeigt Regisseur Dietrich Brüggemann eine dieser streng ritualisierten Talkrunden mit ihrem Meinungsproporz und den Aposteln politischer Korrektheit, die vorgestanzte Meinungshülsen absondern. In solchen Sequenzen hat Brüggemanns „Nazi-Groteske „Heil“ ihre hellsten und besten satirischen Momente, da reibt sich der Film an der Realität.

Wenn eine rechte Kameradschaft unter Leitung des Muster-Ariers Sven (Benno Fürmann) komplett aus V-Männern besteht, ätzt der Film gegen das Wirrwarr beim Verfassungsschutz. Diverse Dienststellen führen diverse Spitzel, die andere Spitzel zu Aktionen gegen die Antifa aufhetzen. Auch das hat Brisanz und Pfeffer.

Alberner Witz

Eine Linie, die Brüggemann mehr und mehr aufweicht und später ganz verlässt. Dann nämlich gibt er grünes Licht für die Klamotte, die sich austobt, wo die Luft dünn ist, die Bodenhaftung marginal, der Witz albern, beliebig und kindisch.

Der afrodeutsche Autor Sebastian (Jerry Hoffmann) ist mit seinem Bestseller „Das braungebrannte Land“ auf Lesereise, als ihm rechte Schläger einen Knüppel über den Kopf ziehen. Fortan plappert er wie ein Papagei Parolen nach, die Neonazi Sven ihm einflüstert. Er wettert gegen Migranten und Schmarotzer, die „unser“ Kindergeld abgreifen.

Von Kettenhunden abgeschirmt

Sebastians Freundin will ihn zur Rede stellen, doch der ist von Svens Kettenhunden abgeschirmt, zwei Deppen, die „Weit Bauer“ an Wände sprühen. Merke: Nazis sind doof. Sie haben nichts in der Hose und würden in Polen einfallen, wenn sie dafür eine Frau bekämen. Sven jedenfalls will Krieg anzetteln, um einer Skinhead-Braut zu imponieren.

Hektisch fischt der Film nun nach Lachern, schmeißt Radau, Persiflage und Stuss durcheinander, verliert sein Timing und den anfänglichen Biss. David Wnendt („Kriegerin“) bringt im Herbst „Er ist wieder da“ ins Kino. Es dürfte ihm leicht fallen, „Heil“ zu toppen.

 

 

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