Neo-Nazis und Linke bedrohen sich öffentlich

Plakate am S-Bahnhof

Ortstermin für den Staatsschutz: Rund um den S-Bahnhof Langendreer wurde am Mittwoch auf fünf Plakaten die Schlägerei am Bahnhof am 25. September (wir berichteten) dargestellt. Im Bild: der vermeintliche Anführer der örtlichen Neonazi-Szene, Daniel E., dessen Name und Anschrift genannt werden.

BOCHUM

von Von Iris Woitschell und Jürgen Koers

, 05.10.2011, 18:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Linke im Visier
Der Anschlag auf das Parteibüro der Linken an der Universitätsstraße am Wochenende (wir berichteten) ist bereits der fünfte im laufenden Jahr. Von 2008 bis 2010 hat der Staatsschutz lediglich zwei Übergriffe verzeichnet.
 

Mit der aktuellen Plakat-Aktion erreichen die Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und linken Aktivisten im Bochumer Osten die nächste Stufe. Bereits im Frühsommer hatte es Schmierereien, Auftritte von Neonazis und eine Morddrohung gegeben. Nun werden konkret Personen und Adressen in die explosive Gemengelage eingebracht.Mit der Schlägerei sei es zu einer „völlig neuen Eskalation“ gekommen, erklärt Martin Budich, Sprecher des Bochumer Bündnisses gegen Rechts. „Das schaukelt sich hoch“, sagt Bezirksbürgermeister Norbert Busche (SPD). „Auf eine Aktion folgt sofort eine Reaktion.“ Er hofft noch, dass es eine Auseinandersetzung zwischen „Blagen“ sei, bestätigt aber: „Wir nehmen das ernst. Wir wollen diese extremen Kräfte von beiden Seiten hier nicht haben.“ Budich entgegnet: „Das sind keine Jugendlichen, sondern erwachsene Männer, die brüllend und johlend durch die Stadt ziehen und den Hitlergruß zeigen.“

Die Anwohner in Langendreer wehren sich. Sie haben das Bündnis „Langendreer gegen Nazis“ gestartet und rund 10.000 Flugblätter verteilt. „Vorsicht, Nazis sind in Langendreer unterwegs“, heißt es darin. Die Bewohner werden aufgerufen, Zivilcourage zu zeigen und jeden Übergriff öffentlich zu machen. Die Polizei ist seit Monaten alarmiert. Die Zunahme von politisch motivierten Straftaten beschäftigt die Beamten. Und das voraussichtlich auch noch in den nächsten Wochen. Denn das Plakat endet sinngemäß mit der Ankündigung, dass weitere Aktionen folgen werden.  

Linke im Visier
Der Anschlag auf das Parteibüro der Linken an der Universitätsstraße am Wochenende (wir berichteten) ist bereits der fünfte im laufenden Jahr. Von 2008 bis 2010 hat der Staatsschutz lediglich zwei Übergriffe verzeichnet.