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Neonazi muss kritischen Aufsatz schreiben

Erzieherische Maßnahme

Drei Seiten lang – aus dem Internet abschreiben gilt nicht: Der aus Langendreer bekannte Neonazi Timo E. (19) ist am Dortmunder Amtsgericht zu einer ungewöhnlichen Strafe verurteilt worden.

BOCHUM/DORTMUND

21.12.2013
Neonazi muss kritischen Aufsatz schreiben

Vor dem Landgericht hat ein 24-jähriger Student am Donnerstag zugegeben, seine schlafende Mitbewohnerin vergewaltigt zu haben.

Er muss einen kritischen Aufsatz über eine antijüdische Hetzschrift zu schreiben. Gefällt sie dem Richter nicht, gibt es einen Monat Jugendarrest. Die ungewöhnliche Strafe ist die Folge eines Ausrasters von November 2011. Damals hatte Timo E. in Bochum laut Urteil eine Frau aus der linken Szene mit Nazi-Parolen überzogen. Außerdem sollen Eier gegen ihr Fenster geflogen sein. Im Prozess hatte der 19-Jährige von einer Verwechslung gesprochen, doch das Gericht glaubte ihm nicht.

Auf Timo E. kommt nun eine schwierige Aufgabe zu. Er hat genau einen Monat Zeit um sich mit dem Thema Judenhass zu befassen. Sein Aufsatz soll die „Protokolle der Weisen von Zion“ beleuchten. Die Dokumente sind zwar schon 1920 als Totalfälschung entlarvt worden, wurden aber trotzdem weltweit für antisemitische Hetzkampagnen eingesetzt. Der Aufsatz soll drei Seiten umfassen und muss Mitte Januar vorgelegt werden. Doch auch damit ist es dann noch nicht getan. Einfaches Vorlesen wird nämlich nicht akzeptiert. „Der Text muss mir erläutert werden“, erklärte Richter Dr. Gerhard Breuer.

Nur so könne schließlich sichergestellt werden, dass sich der Angeklagte auch wirklich selbst mit dem Thema befasst hat. Die Staatsanwaltschaft hatte bei der Suche nach einer erzieherisch wertvollen Jugend-„Bestrafung“ übrigens ähnlich gedacht und einen Besuch des ehemaligen Dortmunder Nazi-Gefängnisses Steinwache beantragt. Das hielt Richter Breuer aber nicht für ausreichend genug. Timo E., der heute in Dortmund wohnt, war nach dem Rufen von Nazi-Parolen zuletzt 2011 zu einem sozialen Trainingskurs verurteilt worden. Wie es heißt liegt bei der Dortmunder Staatsanwaltschaft aber schon die nächste Anklage vor.  

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