Nervenzehrendes Kammerspiel im Kabel-Dschungel

Schauspielhaus Bochum

Der Titel von Bernard-Marie Koltès Stück von 1981 lässt schon vermuten, dass es sich nicht um eine politisch korrekte Reflexion um Fremdheit und Rassismus handelt: "Der Kampf des Negers und der Hunde" erzählt von den Niederungen menschlichen Fühlens und Handelns, und Roger Vontobel hat es in den Kammerspielen des Bochumer Schauspielhauses in aller Härte und Fratzenhaftigkeit inszeniert.

BOCHUM

, 23.05.2017, 13:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Jana Schulz mit Musiker Matthias Herrmann

Jana Schulz mit Musiker Matthias Herrmann

Grandios ist das Bühnenbild von Fabian Wendling, in das der ehemalige Bochumer Haus-Regisseur, der sich nun endgültig nach Düsseldorf verabschiedet, sein nervenzehrendes Kammerspiel einbettet: Die Bühne, der man im intimen Theaterraum sowieso schon sehr nah kommt, ragt noch etwas weiter Richtung Zuschauerränge.

Durch grelles Licht von vorne und hinten wird das Publikum von Beginn an mitten ins Geschehen gerückt, in diesen dunklen Dschungel aus verworrenen Kabeln - innere Distanzierung unerwünscht.

Den Figuren ganz nah

So kommt der Zuschauer den Figuren ganz nah: dem sechzigjährigen Horn, der in Westafrika eine Baustelle leitet. Werner Wölbern verleiht seinem Versuch, im kleinen Territorium innerhalb der Überwachungszäune die Kontrolle zu behalten, etwas Vergebliches. Innerlich scheint er aufgegeben zu haben. Und Cal, den Ingenieur, spielt Max Mayer am Rande des Wahnsinns.

Lust auf Abenteuer

Nachdem er in der Latrine nach dem Leichnam des von ihm ermordeten schwarzen Arbeiters sucht, dreht er vollends durch. Luana Velis spielt Léone, die aus einer Mischung aus Unlust am westlichen Lebensstil und Lust auf Abenteuer mitgekommen ist.

Jana Schulz zeigt einmal mehr ihre Ausnahmebegabung in der rätselhaften Rolle des Alboury, der die Leiche fordert und den Koltès eigentlich mit einem Schwarzen besetzt haben wollte. Die Bochumer Inszenierung macht so auch darauf aufmerksam, dass deutsche Ensembles viel homogener sind als die lebendige Gesellschaft, die sie repräsentieren sollen.

26./27.5.; Karten-Tel. (0234) 33335555.

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