Neu gegründeter Verein übernimmt die Traditionskneipe „Stallgasse“

rnNeueröffnung der „Stallgasse“

Was macht man, wenn es die einstige Stammkneipe gar nicht mehr gibt? Man übernimmt sie einfach! Diese Idee hatte ein neu gegründeter Verein, der die Kneipe "Stallgasse" neu eröffnet.

Nordstadt

, 03.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Nach 43 Jahren stand die Schließung der urigen Traditionskneipe aus Altersgründen Ende 2018 an, was eine Gruppe von zwölf jungen Leuten verhindern wollte. „Wir haben die Stallgasse als Geheimtipp für uns entdeckt und wollten uns nicht damit abfinden, dass sie geschlossen wird", so Tobias Rous, einer der Initiatoren.

So sprachen sie mit den neuen Eigentümern des Hauses und stießen dabei sehr wohl auf offene Ohren. Parallel dazu entwickelte die Gruppe die Idee, dieses Vorhaben durch eine Vereinsgründung zu untermauern und mit weiteren Zielen zu versehen.

Uriger Charme aus Backstein und viel Holz

Zum 1. Februar 2019 wurde der Mietvertrag zum Schankbetrieb unterzeichnet und der Verein „Generationsübergreifende Begegnungs- und Kulturstätten in Dortmund e. V.", kurz „GBK Dortmund", gegründet. In der Satzung heißt es, Zweck des Vereins ist die Förderung der generationsübergreifenden und internationalen Verständigung, der demokratischen Gesinnung und der Toleranz".

Der urige Charme aus Fachwerk, Backstein und viel Holz sowie die Grundstruktur der Kneipe bleiben komplett erhalten. Lediglich eine Auffrischung der Farben und einige Renovierungsarbeiten waren nötig.

Neu gegründeter Verein übernimmt die Traditionskneipe „Stallgasse“

Im Innern des Stallgasse ist es gemütlich-rustikal. © Dietmar Stahlschmidt


In Dortmund gäbe es entweder die alteingesessen Kneipen mit Stammpublikum, die langsam aussterben oder die jungen, die auch nur die junge Generation anspricht. Dazwischen besteht eine große Kluft, die man nun schließen will. „Es ist schön zu sehen, dass uns die Nachbarn und auch ehemalige Stammgäste jetzt schon interessiert fragen, wann wir endlich aufmachen", freut sich Rous.

Doch die Wochen zuvor hatte die Gruppe alle Hände voll zu tun. Neben dem formalen Papierkram, den Renovierungen oder neue Materialien stand auch die Frage nach den Biersorten im Raum. Klar war für alle, dass es nur „Gezapftes" gibt und so werden die vier Zapfhähne mit Dortmunder Bieren bestückt.

Doch bereits die Konzessionierung war ein kleines Abenteuer. Als man beim Gewerbeamt vorstellig wurde, bekam die Gruppe die Aussage, dass es diese Kneipe gar nicht gibt. Kein Eintrag im System, kein Hinweis auf die Existenz. Erst als die Hängeakte aus dem Keller geholt und eingescannt wurde, konnte neu konzessioniert werden.

Namen der Pferde des Erstbesitzers

Im Inneren der Stallgasse fällt neben dem Fachwerk und Backstein noch etwas ins Auge: die vier Sitznischen, die jeweils mit einem gusseisernen Schild beschriftet sind. Dort liest man die vier Namen der Pferde des Erstbesitzers, der auch Namensgeber der Stallgasse wurde. Der Verein selber soll in Zukunft aber auch Basis für kulturelle sowie soziale Projekte und Kooperationen sein.

Neben der Förderung der Kneipenkultur und dem nachbarschaftlichen Austausch sind auch Lesungen, Workshops oder Vernetzungstreffen geplant. Im Vordergrund steht hier nicht der finanzielle Gewinn, sondern ehr der ideologische.

Eigenkapital und Mitgliederbeiträge

Die Förderung und Stärkung der Diskussions- und Demokratiekultur und des generationsübergreifenden Austauschs ist dem Verein sehr wichtig. Alle bisher anfallenden Kosten wurden durch Eigenkapital und Mitgliederbeiträge der Beteiligten finanziert, und wer Interesse hat, kann die Idee als Fördermitglied mittragen.

Zukünftig wird die Stallgasse montags, donnerstags und freitags von 19 bis ein Uhr nachts geöffnet sein – mit der Überlegung, vielleicht nach einiger Zeit auch den Samstag zu öffnen. Die offizielle Eröffnung soll in Kürze in der Burgholzstraße 22 stattfinden. Noch ist die Zapfanlage aber nicht in Betrieb. Weitere Infos unter: www.stallgasse.org

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