Neubau wird um rund 5 Millionen Euro teurer

Justizzentrum am Ostring

Der Rohbau steht: Am Montag wurde auf der Baustelle des neuen Justizzentrums am Ostring Richtfest gefeiert. Beim Festakt im zukünftigen Atrium sprachen Landes- und Kommunalpolitiker auch über die Schwierigkeiten beim Bau – meinten damit aber nicht die Mehrkosten des Baus in Höhe von mehreren Millionen Euro.

BOCHUM

, 23.03.2015, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Neubau wird um rund 5 Millionen Euro teurer

Das neue Gebäude hinter der historischen Fassade des ehemaligen Gymnasiums am Ostring ist ein Betonbau, der den man mehr als Kompromiss verstehen muss. Verständnis für das historische Gebäude, das er ersetzt, hat er nicht.

Die Auflösung des Gymnasiums am Ostring, die Integration der historischen Fassade in den Betonneubau – all das sind für die beim Richtfest anwesenden Politiker einige der Stolpersteine auf dem Weg zur Fertigstellung des Justizzentrums. Dessen langer Weg, das Areal wurde bereits seit 2007 geplant, sei notwendig gewesen, wie Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz feststellte: „Manchmal muss etwas Gutes mit Bedacht geplant werden“, sagte sie.

Wäre das NRW-Finanzministerium bei der Feier anwesend gewesen, es hätte spätestens an dieser Stelle das riesige Atrium verlassen. „Der Investitionsantrag für das Justizzentrum Bochum, der noch unter der Vorgängerregierung im März 2010 im Verwaltungsrat gestellt wurde, war sowohl hinsichtlich des Planungszeitraums als auch der Kostenplanung unrealistisch“, heißt es aus dem Ministerium.

Damals stellte der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) eine Kostenplanung vor, die von einer Bausumme von rund 107 Millionen Euro ausging – und einer verbleibenden Unsicherheit in Höhe von 30 Prozent dieser Summe.

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Richtfest Justizzentrum

Das neue Justizzentrum feierte am Montag (23.) Richtfest. Der Bau wird um rund 5 Millionen Euro teurer als ursprünglich gedacht. Das aber trübte die Feierlichkeiten nicht.
23.03.2015
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Das gesamte Gebäude ist aus Beton gebaut. Allerdings soll es später keine brutalistische Anmutung mehr haben.© Foto: Hahn
Das neue Justizzentrum feierte Richtfest - der Rohbau wirkt noch nackt und kalt.© Foto: Hahn
An allen Stellen wird emsig gearbeitet. Geplante Fertigstellung ist im Jahr 2016.© Foto: Hahn
Kommunal- und Landespolitiker waren beim Richtfest zugegen.© Foto: Hahn
Das neue Justizzentrum feierte Richtfest - noch ist aber viel zu tun.© Foto: Hahn
Das neue Gebäude hinter der historischen Fassade des ehemaligen Gymnasiums am Ostring ist ein Betonbau, der den man mehr als Kompromiss verstehen muss. Verständnis für das historische Gebäude, das er ersetzt, hat er nicht.© Foto: Hahn
Das neue Justizzentrum feierte Richtfest.© Foto: Hahn
NRW-Justizminister Thomas Kutschaty hielt eine kurze Ansprache und sinnierte über Grönemeyer und die Textzeile "leider total verbaut".© Foto: Hahn
Das neue Justizzentrum feierte Richtfest.© Foto: Hahn
Das neue Justizzentrum feierte Richtfest.© Foto: Hahn
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Nun ist klar: Diese damals als Absicherung vor Drohverlusten zurückgestellte Summe muss nicht nur voll ausgenutzt werden, sie wird sogar überschritten. Nach internen Unterlagen, die der Zeitung Rheinische Post vorliegen, steigen die Gesamtkosten auf rund 145,8 Millionen Euro – und liegen damit mehr als 5 Millionen Euro über der Summe, die im März 2010 als Gesamtsumme inklusive der Unsicherheit, also des kalkulierten finanziellen Puffers, vom Verwaltungsrat des BLB genehmigt worden war.

Trotzdem sieht man im Justizministerium „keinen Bauskandal“, wie ein Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung sagte. Zum einen, weil die aktuellen Baukosten lediglich „etwas darüber“ liegen würden, zum anderen weil die Verzögerungen durch Insolvenzen und Vergabebeschwerden von Baufirmen verursacht worden seien. Wie der BLB die Situation bewertet, war nicht in Erfahrung zu bringen. Eine schriftliche Anfrage blieb unbeantwortet.

Und auch beim Richtfest spielte diese Thematik keine Rolle. Stattdessen sprach NRW-Justizminister Thomas Kutschaty lieber über die Einmaligkeit des Justizzentrums, bei dem zahlreiche Einrichtungen von Gerichten über Staatsanwaltschaft bis hin zum Sozialen Dienst der Justiz nun unter einem Dach vereint sind: „Es ist in jeder Hinsicht zukunftsweisend“, so Kutschaty. Nicht ganz, mag man einwerfen: Im Punkt der Transparenz bräuchte man vielleicht noch ein wenig Nachhilfe. 

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