Neue Ballettchefin gibt einen tollen Einstand mit einem starken Frauenporträt

Theater Hagen

Hagen. Marguerite Donlon gibt mit „Casa Azul“ ihren Einstand als neue Ballettchefin in Hagen. Ihr gelingen tolle Bilder auf hohem tänzerischen Niveau.

08.10.2019, 17:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Neue Ballettchefin gibt einen tollen Einstand mit einem starken Frauenporträt

Wirkungsvolle Bilder hat die neue Hagener Ballettproduktion. Wie dieses mit Filipa Amorim als Frida Kahlo und Jeong Min Kim als Krankenschwester. © Look

Von Karsten Mark

Es ist ein Einstand, wie man ihn der neuen Ballettchefin nur wünschen konnte: Das Große Haus des Theater Hagen ist endlich wieder gut gefüllt – sicher auch dank vieler angereister Kollegen und Fans Marguerite Donlons; denn so vielsprachig wie am Samstag geht es im Hagener Theaterfoyer sonst nur selten zu.

Und die Stimmung hätte kaum besser sein können. Das zeigte sich spätestens, als ein laut ratternder Videoprojektor zu einer ungeplanten Unterbrechung der Premiere führte. Donlon nahm‘s gelassen: „So ist nun mal Theater“, sagte sie, und das Publikum applaudierte nur umso mehr.

Dieses Ballett war schon in einer anderen Stadt ein Publikumsmagnet

Die erste Tanzproduktion der Saison hat sich bereits an anderer Stelle als Publikumsmagnet bewährt: „Casa Azul“, ein tänzerisches Porträt der berühmten mexikanischen Malerin Frida Kahlo, hatte seine Uraufführung vor genau zehn Jahren im Saarländischen Staatstheater, an dem Donlon zwölf Jahre lang gewirkt hat.

Das Stück lohnt zweifellos eine Neuinszenierung, und es wirkt fast wie eine choreografische Visitenkarte, mit der Donlon in rund 75 Minuten die Breite ihres Ausdrucksspektrums unter Beweis stellt. Die neue Chefin verlangt ihrer kleinen, 14-köpfigen Compagnie damit gleich zu Beginn sehr viel ab. Indes wusste Donlon schon länger um das Niveau der Tänzer: 2015 und 2017 war sie bereits als

Gastchoreografin in Hagen.

Drei Tänzerinnen durchleben verschiedene Lebensphasen

„Casa Azul“, benannt nach dem Elternhaus der Kahlo, verbindet das Tanztheater als Erzählform mit Bildern, Zitaten und biografischen Begebenheiten der Kahlo, die gleich von drei Tänzerinnen in verschiedenen Lebensphasen verkörpert wird: Da ist das Mädchen von 18 Jahren, das 1925 bei einem Busunfall grauenvolle Verletzungen erleidet und beinahe sicher dem Tod geweiht scheint. Dann die wieder aufblühende junge Frau, die neue Kraft aus der Malerei sowie der Liebe zum gut 20 Jahre älteren Maler Diego Rivera schöpft.

Die Beziehung ist allerdings kompliziert: Sie heiraten, haben jedoch beide ihre Affären neben der Ehe. Als Rivera sie mir ihrer eigenen Schwester betrügt, lässt sich Kahlo scheiden – um ein Jahr später Rivera noch einmal zu heiraten. Die Rolle der Leidenden, die trotz starken Willens und Lebenshungers immer wieder an den Rand der Verzweiflung gerät, ist die dritte Facette der Kahlo.

Es geht um die Verbindung zwischen Leben und Kunst

Donlon will mit ihrem Stück die Verbindungen zwischen Leben und Kunst knüpfen. Nun fiel zur Premiere mit dem Videobeamer zwar ein wichtiger Teil des Gesamtkunstwerks aus, doch Kahlos Bilder finden sich zum Teil auch unmittelbar in der Choreografie: „Der verletzte Hirsch“ und „Zwei Akte im Wald“ spiegeln sich etwa direkt in den tollen Kostümen von Markus Maas wider.

Insgesamt lebt der Abend von einem spannungsvollen Wechselspiel aus Kraft und Temperament auf der einen und zarter Melancholie auf der anderen Seite. Das Temperament ist musikalisch stark mit südamerikanischer Folklore verbunden. Der Sänger und Gitarrist Luis Gonzales wird direkt in die Handlung eingebunden. In den dunklen Momenten erklingen elektronische Soundarrangements.

Termine: 11. / 20. / 27. 10., 6./ 17. /21. 11., 27. 12., 18./ 29.1.; Karten: Tel. (023 31) 207 32 18.

www.theaterhagen.de