Neue Ermittlungen zum Tod von V-Mann "Corelli"

Staatsanwaltschaft Paderborn

Die Rolle des mysteriösen rechtsextremen V-Manns „Corelli“ beschäftigt erneut die Justiz. Nach neuen Analyseergebnissen zur Todesursache nimmt die Staatsanwaltschaft Paderborn die Ermittlungen wieder auf, wie sie am Dienstag mitteilte.

DÜSSELDORF

21.06.2016, 16:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Ausschuss-Mitglieder im Saal des NSU-Untersuchungsausschusses.

Die Ausschuss-Mitglieder im Saal des NSU-Untersuchungsausschusses.

Der langjährige Informant des Bundesverfassungsschutzes war im April 2014 tot aufgefunden worden. Mehreren Gutachten zufolge erlag er einem diabetischen Schock. Der Mediziner Werner Scherbaum hatte allerdings kürzlich im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags - abweichend von seinem Gutachten zuvor - erklärt, es gebe drei Wirkstoffe, die „theoretisch“ den „festgestellten Insulinmangeldiabetes“ hervorrufen könnten. Laut Staatsanwaltschaft geht Scherbaum trotzdem weiter davon aus, „dass es keine Anhaltspunkte für eine Fremdbeibringung von Stoffen gibt“. Das entspreche dem übrigen Ergebnis der Ermittlungen.

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Offiziell war der V-Mann vor zwei Jahren an einem sogenannten Zuckerschock (Hyperglykämie) durch eine nicht erkannte Diabetes gestorben. Es gebe keine Substanz, die eine solche Hyperglykämie auslösen könne, hieß es damals. Die Staatsanwaltschaft Paderborn schloss ein Fremdverschulden aus und stellte das Ermittlungsverfahren ein. Jetzt die Wende: Denn es gebe sehr wohl eine Substanz, so Scherbaum: das Rattengift Vacor. „Wenn Prof. Scherbaum seinen ursprünglichen Befund nun in Teilen in Zweifel zieht, dann steht wieder im Raum, dass der V-Mann Corelli nicht eines natürlichen Todes gestorben ist“, sagt die Bundestagsabgeordnete Irene Mihalic, Grünen-Obfrau im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages.

Geprüft werden soll nun, durch welche Institute und in welcher Weise der Nachweis der Wirkstoffe möglich ist. Dazu hatte Experte Jerzy Montag - vom Bundestagskontrollgremium als „Corelli“-Sonderermittler eingesetzt - schon vor Tagen im Ausschuss gesagt, zwei der Wirkstoffe müsse man spritzen. Bei Corelli seien aber keine Einstiche gefunden worden. Die dritte Substanz sei seit 1979 vom Markt genommen. 

mit Material von dpa, Christoph Klemp und Tobias Großekemper