Neue Kleider für Mozarts „Requiem“

Ruhrtriennale

Wir sind gewohnt, Mozarts "Requiem" mit den Ergänzungen seines Schülers Franz Xaver Süßmayr zu hören und darüber zu vergessen, dass Mozart seine Totenmesse beim eigenen Hinscheiden unvollendet hinterlassen hat. Florian Helgath nun verpasste dem klangvollen Chorwerk-Klassiker am Wochenende bei zwei Konzerten der Ruhrtriennale mit dem ChorWerk Ruhr und den Bochumer Symphonikern in der Maschinenhalle der Zeche Zweckel in Gladbeck neue "Kleider".

GLADBECK

, 07.09.2015, 14:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Neue Kleider für Mozarts „Requiem“

Chorwerk Ruhr

Dabei wurden die von Süßmayr komponierten Teile gestrichen und durch die "Klangräume" des Österreichers Georg Friedrich Haas ersetzt. Als zusätzliches Gewand wurden dem Ganzen zwei Werke von György Ligeti "übergeworfen", was den Eindruck der Modernität noch verstärkte.

Den Fokus auf den Tod aber lenkte vor dem Einsatz des "Requiems" die vom ChorWerk Ruhr mit feiner Artikulation des Texts gesungene doppelchörige Motette "Komm, Jesu, komm" von Johann Sebastian Bach.

Das Mozart-"Requiem" wurde klangschön und mit fast romantischem Überschwang musiziert, wozu auch das hochkarätige, insgesamt aber unterbeschäftigte Solistenquartett beitrug.

Intensiv erlebte Stille

Die sich ebenso befremdlich wie faszinierend einfügenden Haasschen "Klangräume" ließ Florian Helgath stets aus den Mozart-Teilen herauswachsen. Aufgrund des geräuschhaften Kompositionsstils waren die vom Chor gesprochenen und gesungenen Worte hier aber nur bruchstückhaft zu verstehen.

Gebannt vom fein gewobenen ätherischen Klangband in Ligetis 16-stimmigen Chorwerk "Lux aeterna", gab es am Ende eine lange, intensiv erlebte Stille. Und nach tosendem Applaus Mozarts berühmtes "Ave verum" als Zugabe.

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