Neue Konzertkino-Reihe ist ein faszinierendes Erlebnis

Konzerthaus Dortmund

Dass auf diese Idee noch keiner vorher gekommen ist: Das Konzerthaus Dortmund wurde Mittwoch zum "Konzertkino"; zum Auftakt der neuen Reihe dirigierte Herbert von Karajan auf einer 20 mal zehn Meter großen Leinwand in exzellenter Ton- und Bildqualität die Berliner Philharmoniker.

DORTMUND

, 27.10.2016, 12:37 Uhr / Lesedauer: 1 min
Neue Konzertkino-Reihe ist ein faszinierendes Erlebnis

Herbert von Karajan dirigierte in den Filmen meist mit geschlossenen Augen.

Ein Hochleistungsbeamer und ein für die Reihe engagierter Toningenieur steuerten den Film auf dem zweiten Rang.

Es sind nicht einfach nur DVDs, die das Konzerthaus in der neuen Reihe - mit kompetenter Anmoderation von Ulrich Schardt - zeigt, es sind Filmschätze: Die Schwarz-Weiß-Studio-Aufnahme von Dvoráks "Sinfonie aus der Neuen Welt" aus dem Jahr 1966, in der Karajan schon - für ihn typisch - seine Musiker fast im Kreis um sich geschart hat, und die von Strauss' "Don Quixote", 1975 live in der Berliner Philharmonie gefilmt.

Es war ein faszinierendes Erlebnis, den Maestro so nah und überlebensgroß zu beobachten. Und die Kameras zeigten auch wichtige Einsätze der Orchestermusiker, die man im Livekonzert schnell verpasst. Ein Herrenorchester waren die Berliner damals; im "Don Quixote" zupfte immerhin eine Frau die Harfe.

Mit geschlossenen Augen dirigierte Karajan beide Werke, aber irgendwie hat er trotzdem mit seinen Musikern kommunziert.

Legende des Taktstocks

Cellist Mstislaw Rostropowitsch sah man als Solist im "Don Quixote" manchmal suchend nach dem Dirigenten schauen. Der lächelte in die Musik versunken, Blickkontakt suchte die 1989 verstorbene Legende des Taktstocks.

Karajan war ein Genie - auch das machte der Film deutlich. Und die Aufnahme seiner Dvorak-Sinfonie mit dem berührend innig musizierten langsamen Satz, setzt immer noch Maßstäbe.

"Ich komme ganz sicher zurück", sagt Karajan im Konzertkino-Trailer: "Ich finde das Goethe-Wort so schön ,Wenn mir mein Inneres so viel zu sagen hat und mein Körper verweigert den Dienst, dann hat die Natur die Pflicht, mir einen neuen Körper herzustellen.‘" Man sollte die heute 27 Jahre jungen Dirigenten mal genau im Auge behalten.

Weiter geht es im Konzertkino am 5.12. mit Leonard Bernstein. Karten (10 Euro): Tel. (0231) 22696200.