Neue Kooperationen für die Zukunft der Stadt

Oberbürgermeisterin im Interview

Silvester ist der Tag, um zurückzuschauen und gleichzeitig einen Blick in die Zukunft zu wagen. RN-Redakteur Benedikt Reichel sprach zum Jahresende mit Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz über Bochums 2011.

BOCHUM

von Ruhr Nachrichten

, 31.12.2011, 16:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Aber aufregend ist es dann schon, wenn es beispielsweise um wichtige Entscheidungen geht. Richtig ist, es war nicht spektakulär – oder katastrophal. Vieles ist im Hintergrund vorbereitet worden. Arbeitsintensiv trifft es. Und dadurch, dass weniger Geld da ist und man sich um das Wenige zanken muss, produziert das eine Menge an Diskussionen.

Das ist schwer. Es war relativ gleichförmig. Viele tolle Veranstaltungen sind inzwischen Normalität. (Überlegt.) Moment. „Tristan und Isolde“ in der Jahrhunderthalle. Das war grandios. Zuvor war ich am Nürburgring mit dem Bochumer Motorclub Ruhrblitz und habe mir das Rennen angeschaut. Am selben Abend dann diese Oper. Das war ein sehr bunter Tag.

…das waren diese vielen Menschen vor dem Ausländerbüro, die nicht mehr rein konnten. Über mehrere Tage. Ich muss mir das auch selber an den Hut stecken. Wir haben im Hause zu lange geschaut, ob wir das nicht mit eigenem Personal schaffen. Bis das Wasser überläuft. Es kann nicht sein, dass 200 Leute vor der Bude stehen. Das darf nicht passieren.

Das Ergebnis der Beratungen ist eine wichtige Grundlage für die nächsten Jahre. Sie kann eine Perspektive für die Stadtentwicklung sein. Ich hoffe – nach wie vor –, dass wir bestehende Strukturen nicht kaputt machen müssen. Doch wir stehen erst am Anfang eines Prozesses der intensiven Auseinandersetzung mit Einzelmaßnahmen. Bisher ging es noch nicht um Ja oder Nein.

Das finde ich auch doof. Da müssen andere Lösungen für gefunden werden.

Schauen Sie sich das Tiergehege in Wattenscheid an. Da geht es um 20.000 Euro, die wir als Stadt nicht mehr zahlen können. Und dann springt da ein Verein ein und macht das mit geringfügiger Unterstützung der Stadt. Aber, ich räume ein, wir müssen solche Prozesse professionalisieren.

Richtig. Das dauerte zu lange. Die Verträge kurvten zu lange durch das Rathaus. Die Menschen sind bereit, sich zu engagieren. Das müssen wir fördern. Aber alles kann so ein Verein auch nicht stemmen und da ist für mich die Frage, ob wir Modelle schaffen können, in denen Stadtverwaltung und bürgerliches Engagement kooperieren. Also eine gemeinsame Verantwortung für die Lebensqualität in der Stadt. Dafür brauchen wir Formen strukturierte Zusammenarbeit, damit so etwas nicht willkürlich entschieden wird.

(Überlegt lange). Man wird anfällig dafür, in bestehenden Strukturen zu agieren. Selbst Leute, die von außen herein kommen, müssen da manchmal lange Bretter bohren. Das ist sicherlich typisch für große Organisationen und Verwaltungen. Es ist eine große Aufgabe, dies zu durchbrechen.

Wie das?

(Lacht laut.) Das habe ich noch nie gemacht – oder als Kind mal. Da war ich aber noch ganz klein. Und dann erkennen wir, was uns die Zukunft bringt? (Kurz darauf beginnen die beiden Stückchen Blei auf dem Löffel über der Kerze zu schmelzen. Ab ins Wasser damit. Es zischt kurz auf.)

Ich weiß was das ist: „Back to the roots“ (Eng.: Zurück zu den Wurzeln.) Dieses Stück sieht so aus wie eine Wurzel.

Es könnte auch eine Träne sein. Aber eine Träne wäre nicht gut. Oder eine lang gezogene Perle. Wir einigen uns auf eine Perle.

Ja. Das hat sogar Plausibilität. Alles muss erkämpft werden. Wir brauchen erst Anstrengung, um zu einem solchen Schatz zu kommen. Das ist ein schönes Bild.

Ja. Ich bin da gnadenlos optimistisch. (Lacht.) Das übe ich nun auch schon seit mehreren Jahren.