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Neue Lasertechnik liefert schärferen Filmgenuss

Cineworld Lünen

Die „Cineworld“ in Lünen hat einen sechsstelligen Betrag in eine hochmoderne Projektionstechnik investiert. Wir haben uns im Kinosaal angesehen, was die Filmfreunde von der High-Tech-Neuerung haben.

Lünen

, 17.10.2017 / Lesedauer: 4 min
Neue Lasertechnik liefert schärferen Filmgenuss

Vorführer Ralf Möllenhoff stellt in der Lüner „Cineworld“ an einem Display die Helligkeit des Lasers ein.

In Saal 5 der Lüner „Cineworld“ projiziert nun ein RGB-Laser (nach den Grundfarben Rot, Grün, Blau) das Licht für Filme. Er ist einer von nur sieben solcher Laser, die in deutschen Kinos im Betrieb sind.

Wie funktioniert das System?  Ein Rechner verarbeitet die Information des Speichermediums, auf dem ein Film vorliegt. Im Prinzip ist das wie beim Heimkino mit Beamer, nur besser in der Qualität. Herzstück der Projektion ist ein Chip, der aus Millionen winziger Spiegel besteht, jeder fünfmal kleiner als ein Menschenhaar im Querschnitt. Die Spiegel sind beweglich und können 5000 Mal pro Sekunde die Position wechseln. Je nach Position wird das Licht reflektiert (helle Bildpixel auf der Leinwand) oder abgeleitet (dunkle Pixel). Der Laser ersetzt die vorher üblichen Xenon-Röhren als Lichtquelle.

Wie sieht die neue Technik von außen aus? Unspektakulär. Seit die Filme von Servern abgespielt werden, sind Projektoren, die Zelluloid an einer Leuchte vorbei bewegen, aus den Kinos verschwunden. In der „Cineworld“ stehen nun zwei massive Kästen, sie sind verbunden durch ein Kabel. Sie beherbergen die Technik. 500 Kilo wiegt das Lasergerät der italienischen Firma „Cinemeccanica“, das seine Signale per Glasfaser an den zweiten Kasten übermittelt, wo die eigentliche Projektion passiert.

Welche Vorteile bringt der Laser? Xenon-Lampen nutzen ab und verlieren Helligkeit. Als Faustregel gilt, dass nach 500 Betriebsstunden die Leistung um 50 Prozent gemindert ist und der Film dunkler wirkt. Ein Laser entwickelt weniger Hitze als Lampen, seine Lebenszeit ist deutlich länger: Nach zehn Jahren hat er noch immer 70, 80 Prozent seiner Kraft. Dazu kennt ein Laser kein Streulicht (das die Bildschärfe mindert), der Strahl seiner 18 Dioden zielt punktgenau auf die kleinen Spiegel.

Was hat der Zuschauer von der Laserprojektion? Das Bild auf der Leinwand soll an Kontrast gewinnen, hellstes Weiß und dunkelstes Schwarz können abgebildet werden, Farben werden brillanter. Auch in puncto Schärfe darf man Verbesserungen erwarten. Dazu hat der Laser enorme Reserven, was seine Helligkeit angeht.

Welche Lichtkraft produziert der Laser? Er hat eine Leistung von 45 000 Lumen, 75 Prozent mehr als bisher im Lüner Kino 5. In der „Cineworld“ läuft er meist auf 60 Prozent Leistung, weil das Bild sonst zu hell würde. Diese Reserve wird bei Filmen in 3D wichtig, wo die Brille des Zuschauers viel Licht schluckt und das Bild abdunkelt. Mit wenigen Fingertipps auf seinem Bedienfeld lässt sich der Laser nachpegeln, und die Leinwand hellt sich auf.

Löst die Technik in der Praxis ihr Versprechen ein? In der „Cineworld“ gab es als Referenz diverse Trailer zu sehen. Bei „Fack Ju Göhte 3“ springen die Farben förmlich ins Auge. Da leuchtet das Klassenzimmer, jedes Teil in Pink, Rot oder Grün schreit nach Pop-Art. Die Bilder wirken beinahe hyperreal. Im Trailer zu „Geostorm“ gibt es Weltraum-Ansichten, wo jedes Detail, jede Antenne einer Station im Erdorbit glasklar zu erkennen ist. Kein Flimmern, keine Unschärfen: Die Arbeit von Tricktüftlern sticht messerscharf heraus.

Sehen die Farben in 3D-Filmen in der neuen Technik anders aus? Dass 3D-Brillen Lichtfresser sind, kann auch der Laser nicht ändern. Setzt man zu den Bildern des neuen „Thor“-Comicfilms die Brille ab, ist der Himmel blau. Mit Brille wirkt er hellgrau, bei älteren Xenon-Lampen würde er wohl in ein dunkles Grau kippen. Fazit: Es gibt sehr wohl eine Verbesserung der Bildqualität, für den ein Karten-Aufpreis (in Lünen ein Euro) berechtigt scheint.

Was kostet die Umrüstung auf den Laserprojektor? In der „Cineworld“ schlug sie mit 175 000 Euro für die Projektion, dazu mit 25 000 für bessere Beschallung zu Buche. Kosten, die in der Massenproduktion wohl schrumpfen. Es gibt aber erst sieben deutsche Kinos mit RGB-Lasern, drei (in Lünen, Düren, Solingen) gehören den „Cineworld“-Betreibern.

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Gehört dem „RBG Laser“ die Zukunft? Schwer zu sagen. Die Investitionskosten sind hoch und nur für Betreiber von Multiplexen zu stemmen, Imax-Kinos mit ihrem Spezialangebot mal ausgenommen. Vermutlich werden große Kinoketten einzelne Säle aufrüsten, um technisch avancierte Blockbuster mit Spezialeffekten zu zeigen („Star Wars“, „Avatar“), die am meisten von der Laserprojektion profitieren dürften.

Welche Filme sind in der neuen Technik zu sehen? Grundsätzlich können alle Filme gespielt werden, da die Laserprojektion kein neues Filmformat benötigt. Die Kinos können frei disponieren. Die „Cineworld“ spielte zuerst „Es“ im Saal 5, „Cars 3“ läuft dort, „Fack Ju Göhte 3“ wird folgen, auch „Thor“ und „Star Wars“. Ältere Filme (aktuell „Luther“) können in Lünen ebenfalls vorgeführt werden.