Neue Rekorde, tolle Kostüme und die besten Spiele

So war die Gamescom 2014

Die Gamescom 2014 setzte wieder neue Maßstäbe. Hunderttausende Besucher kamen, um sich als Spielehelden zu verkleiden, Youtube-Stars zu bewundern und sich in langen Schlangen anzustellen. Hier gibt es Eindrücke von der Messe, Videos und Fotostrecken - und einen Überblick über die wirklich besten Spiele,

KÖLN

von Jan Bojaryn

, 17.08.2014, 20:15 Uhr / Lesedauer: 4 min
Manche Besucher machten sich selbst zu Spielfiguren - die »Cosplay«-Szene traf sich auch in Köln. Cosplayer sind Fans, die sich als Helden klassischer oder neuer Videospiele verkleiden.

Manche Besucher machten sich selbst zu Spielfiguren - die »Cosplay«-Szene traf sich auch in Köln. Cosplayer sind Fans, die sich als Helden klassischer oder neuer Videospiele verkleiden.

Einst ist die Gamescom in Köln angetreten, weil Leipzig als Standort für eine Spielemesse zu klein wurde. Jetzt wirkt auch die Koelnmesse, als wäre sie im sechsten Jahr schon am Anschlag. Bereits letztes Jahr zogen die Messe und Rahmenveranstaltungen wie das Gamescom Festival insgesamt eine halbe Million Besucher an. 2014 stellt die Gamescom neue Rekorde auf. Noch nie waren die Tickets so früh ausverkauft. Nie waren die Schlangen vor einzelnen Anspielstationen länger, war das Gedränge dichter. Aber wer nicht gerade an einem der verstopften Knotenpunkte steht, der entdeckt auch glückliche Gesichter. Die Gamer sind gekommen, um ihre liebste Beschäftigung zu feiern. Aber auch ihre Stars, ihre Spiele und sich selbst.

Wie sozial das Hobby Videospiel sein kann, zeigen viele der Veranstaltungen auf der Gamescom. Denn nur eine Minderheit klebt mit glänzenden Augen und Gamepad in der Hand vor leuchtenden Bildschirmen. Manche Besucher machen sich lieber selbst zu Spielfiguren - die „Cosplay“-Szene trifft sich auch in Köln. Cosplayer sind Fans, die sich als Helden klassischer oder neuer Videospiele verkleiden. Auch in der Karnevalsstadt Köln fällt die Meute auf. Erstens sind die Kostüme oft aufwändiger, zweitens bleiben ihre Träger häufiger nüchtern.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Die Gamescom in Köln

Die Gamescom 2014 in Köln war so gut besucht wie nie. Die größte Publikumsmesse für Games weltweit bietet tiefe Einblicke in die Gaming-Szene.
17.08.2014
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Die Gamescom 2014 war voll. Fast zu voll.© Foto: Jan Bojaryn
Das Messegelände in Köln.© Foto: Jan Bojaryn
Nur eine Minderheit der Besucher klebte mit glänzenden Augen und Gamepad in der Hand vor leuchtenden Bildschirmen.© Foto: Jan Bojaryn
Die Gamescom 2014 war voll. Fast zu voll.© Foto: Jan Bojaryn
Die Gamescom 2014 war voll. Fast zu voll.© Foto: Jan Bojaryn
Um die neuen Spiele zu spielen, mussten die Besucher oft lange warten.© Foto: Jan Bojaryn
Die Gamescom 2014 war voll. Fast zu voll.© Foto: Jan Bojaryn
Die Messe stellte viele Neuheiten vor.© Foto: Jan Bojaryn
Die Gamescom 2014 war voll. Fast zu voll.© Foto: Jan Bojaryn
Die Messe stellte viele Neuheiten vor.© Foto: Jan Bojaryn
Manche Besucher machten sich selbst zu Spielfiguren - die „Cosplay“-Szene traf sich auch in Köln. Cosplayer sind Fans, die sich als Helden klassischer oder neuer Videospiele verkleiden.© Foto: Jan Bojaryn
Manche Besucher machten sich selbst zu Spielfiguren - die »Cosplay«-Szene traf sich auch in Köln. Cosplayer sind Fans, die sich als Helden klassischer oder neuer Videospiele verkleiden.© Foto: Jan Bojaryn

Spielbegeisterte konnten sich in Köln mit neuen Fanartikeln vom T-Shirt bis zum Plastikschwert einzudecken. Sie konnten den Youtube-Stars der Let‘s-Play-Szene zujubeln. Sie konnten eSports-Turniere erleben, bei denen aus Spielen ein Profisport wird. Sie konnten sich über Karrieremöglichkeiten in der Branche informieren. Und einige waren nicht zum Vergnügen hier. Anzugträger verschwanden geschäftig in die Business Area. Denn die Gamescom ist nicht nur eine Publikumsmesse. Sie ist auch eines der wichtigsten Branchentreffen Europas. 

Wo sich Spielemacher und Presse treffen, da sind auch echte Neuankündigungen nicht weit. Den größten Vorschuss an Vorfreude bekam Bioware. Der Entwickler legendär guter Rollenspiele heizte schon vor der Messe mit „Shadow Realms“ die Aufregung an. Was dann aber zu sehen war, wirkte eher zahm: Vier Spieler treten gemeinsam gegen das Böse an. Der Clou: Das Böse wird von einem fünften Spieler gesteuert. Eine schöne Idee, die in letzter Zeit allerdings gleich mehrere haben. Für echtes Erstaunen sorgten dagegen mutige Neuheiten wie „Life is Strange“ - in der erfrischend normalen Geschichte kehrt Teenagerin Max in ihre alte Heimatstadt zurück und muss feststellen, dass vieles sich geändert hat. Die ehemals beste Freundin Chloe ist plötzlich zur Rebellin geworden, eine andere Freundin ganz verschwunden. Was ist passiert? Und warum kann Max plötzlich die Zeit manipulieren? Solche Erzählspiele finden in den letzten Jahren immer mehr Interesse.

Überhaupt liegen kleinere Spiele voll im Trend. Die immer neuen, immer größeren Blockbuster werden immer öfter unerschwinglich. Auf der Suche nach Auswegen finden auch renommierte Entwickler neue Wege. So hat ein alter Hase von Ubisoft extra ein neues, kleines Studio gegründet, um „Wild“ auf die Spieler loszulassen. Das wunderschöne Steinzeit-Survival-Abenteuer hat auch deswegen beeindruckt, weil niemand es kommen sah. Eine Nummer kleiner geht es auch bei „Hellblade“. Hinter dem drögen Namen verbirgt sich immerhin die Idee, einen top produzierten Titel etwas kürzer und wohl auch etwas billiger umzusetzen. Ein erstes Video zum Spiel war allerdings ebenso geheimnis- wie stimmungsvoll.

Was die Spieler besonders bewegt, kann man auf der Gamescom ganz einfach herausfinden: Man muss sich nur durch die Messehallen zwängen, bis man monströs lange Menschenschlangen entdeckt. Viele Spieler investieren vier Stunden und mehr, nur um einen Titel für eine Viertelstunde ausprobieren zu dürfen. Ein Aufsteiger im Längenwettbewerb ist ganz klar „Far Cry“. Die Egoshooter-Serie mischt handfeste Action gern mit exotischen Schauplätzen. So hat sie eine große Fangemeinde erobert. Teil 4 schickt die Spieler auf eine schamanische Alptraumreise in den Himalaya. „Far Cry 4“ erscheint schon in ein paar Monaten, trotzdem warteten viele Menschen auf einen kleinen Ausblick. Aber auch Senioren lassen sich die Butter nicht vom Brot nehmen. So etwa „World of Warcraft“. Die für den November angekündigte Erweiterung „Warlords of Draenor“ zog auch zehn Jahre nach dem Erscheinen des Hauptspiels noch Menschenmassen an.

Einen großen Sieger hatte die Gamescom in den Augen der Fachpresse: Die meisten Auszeichnungen beim messeeigenen Gamescom Award räumte „Evolve“ ab. Das Spiel hat gewisse Ähnlichkeiten mit „Shadow Realms“. Hier machen vier Spieler Jagd auf ein fieses Monster - gespielt von Spieler Nummer fünf. Die „Evolve“-Macher haben zuvor mit „Left 4 Dead“ schon bewiesen, dass sie sich auf launige, kooperative Ballerspiele verstehen. Und der neue Titel wirkte beim Anspielen schon richtig ausgereift.

Als handfester Geheimtipp für Vielspieler hat sich auch „Lords of the Fallen“ behauptet. Der Titel kommt von keinem großen Studio, wird von nur 65 Leuten entwickelt. Das knüppelharte, düstere Rollenspiel  spricht all jene an, die sich nach den Herausforderungen alter Tage sehnen. Und es erscheint schon bald. Das ist ein Vorteil gegen die vielen Titel, die frühestens 2015 erscheinen - wie etwa Sonys Playstation-4-Hit „Bloodborne“, der in dieselbe Kerbe schlägt.

Das Warten sind Spieler gewöhnt. Die Branche ist schnelllebig. Hits von gestern werden schnell vergessen. Stets richtet sich die Aufmerksamkeit auf neue Titel, die erst in Monaten oder gar Jahren erhältlich werden. Das gibt Eltern und Freunden Zeit, sich zu informieren. Welche Spiele kann man schenken? Welche gar zusammen spielen?   Unter den Spielkonsolen führt aktuell die Playstation 4. Große Hits werden allerdings wohl erst 2015 erscheinen. Ähnliches gilt für die Xbox One. Wer eine wirklich familienfreundliche Konsole sucht, der findet auf der Wii U auch 2014 eine kleine, aber feine Auswahl. Und heimlicher Sieger der Gamescom ist mal wieder der PC. Hier erscheinen fast alle Blockbuster. Außerdem finden einige Genres fast nur hier statt. Überraschend witzig sieht etwa „Bernd das Brot und die Unmöglichen“ aus, ein neues Adventure von den Machern der Kika-Erfolgsshow.

Ein sicherer Hit für jedes Alter wird auch in diesem Jahr wieder das neue Fußballspiel „FIFA 15“.

Und als launige Reise durch staubige Ruinen für ein bis vier Spieler könnte „Lara Croft und der Tempel des Osiris“ altmodisches Vergnügen bereiten.

Zu Spielen gibt es also in den kommenden Monaten eine Menge - ganz ohne lange Warteschlangen.