Neue Studie: Immunität gegen das Coronavirus ist nicht von langer Dauer

Coronavirus

Nach der gängigen Forschungsmeinung galten Corona-Infizierte als immun gegenüber einer neuen Infektion mit dem Virus. Eine Studie aus London widerlegt nun die bisherige Annahme.

London

13.07.2020, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Volle Strände, keine Angst vor einer Infektion? Wer sich mit dem Coronavirus infiziert hat, ist nicht automatisch immun gegen den Erreger.

Volle Strände, keine Angst vor einer Infektion? Wer sich mit dem Coronavirus infiziert hat, ist nicht automatisch immun gegen den Erreger. © picture alliance/dpa

Genesene Corona-Patienten haben ein geringes Risiko erneut zu erkranken – diese Erkenntnis war bis vor Kurzem ein großer Hoffnungsschimmer. Doch jetzt zeigt sich, wie schon so oft in der Pandemie, dass Wissenschaft schnelllebig ist. Denn Forscher des King’s College London wiesen nach, dass die Immunität gegen Covid-19 innerhalb weniger Monate verloren geht.

Antikörperkonzentration sinkt um das 23-Fache

Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie zwischen März und Juni die Immunreaktionen von mehr als 90 Patienten und Mitarbeitern des britischen Guy’s and St Thomas‘ NHS Foundation Trust. Es ist die erste Studie, die die Antikörperkonzentration über drei Monate kontrolliert.

Mithilfe von Blutuntersuchungen fanden die Forscher heraus, dass die Konzentration der Antikörper rund drei Wochen nach Auftreten der Symptome am höchsten war und danach rasch zurückging. Zum Höhepunkt der Erkrankungen zeigten rund 60 Prozent der Testpersonen eine „starke“ Antikörperreaktion, drei Monate später waren es nur noch 17 Prozent. Die Konzentration der Antikörper gegen das Coronavirus ging in diesem Zeitraum bis auf das 23-Fache zurück.

Die Antikörperkonzentration war zudem bei den Patienten höher, die schwerer an Covid-19 erkrankten. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Viruslast bei den Betroffenen größer war und dementsprechend mehr Antikörper produziert wurden, um die Infektion zu bekämpfen.

Studie noch nicht von Experten begutachtet

„Diese Beobachtungsstudie zeigt, dass die Antikörperantworten auf im Blut zirkulierendes Sars-CoV-2 nach der Infektion abnehmen“, wird Dr. Katie Doores, Hauptautorin der Studie vom King’s College London, auf der Internetseite der Universität zitiert. „Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die Menge an Antikörpern zu bestimmen, die zum Schutz vor Infektionen erforderlich sind.“

Ihre Ergebnisse hat das Forscherteam inzwischen auf dem Preprint-Server Medrxiv veröffentlicht und bei einer Fachzeitschrift eingereicht. Die Studie wurde jedoch noch nicht von unabhängigen Experten begutachtet.

T-Zellen könnten Virus zerstören

Zu ähnlichen Erkenntnissen waren aber auch Mediziner der München Klinik Schwabing gekommen. Bluttests der ersten Corona-Patienten in Deutschland, die Ende Januar in dem Krankenhaus behandelt worden waren, zeigten, dass die Zahl der sogenannten neutralisierenden Antikörper im Blut mit der Zeit deutlich zurückgeht.

„Bei vier der neun Patienten sehen wir sinkende neutralisierende Antikörper in einem sehr speziellen Test, der nur in einem Hochsicherheitslabor erfolgen kann“, sagte Wendtner. „Inwieweit dies Auswirkungen für die Langzeitimmunität und die Impfstrategien hat, ist derzeit noch spekulativ, muss aber im weiteren Verlauf kritisch beobachtet werden.“

Für Prof. Arne Akbar, Immunologe am University College London, sind Antikörper nur eine Seite der Corona-Medaille. Gegenüber der britischen Tageszeitung „The Guardian“ sagte der Mediziner, dass es Hinweise darauf gebe, dass auch T-Zellen, die zur Bekämpfung von Erkältungen produziert werden, den Menschen schützen könnten. Diejenigen, die das Coronavirus mithilfe von T-Zellen bekämpfen, bräuchten womöglich keine große Konzentration an Antikörpern.

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