Neuer Lockerungsplan „Control Covid“: RKI zeigt Corona-Ansteckungsrisiko nach „Settings“

Daten vom RKI

Das RKI präsentiert in einem eigenen Konzept vier „Intensitätsstufen“, die jeweils Lockerungen nach sich ziehen - und listet auf, in welchen Bereichen Infektionen eher unwahrscheinlich sind.

von Saskia Bücker

, 25.02.2021, 16:42 Uhr / Lesedauer: 3 min
Das RKI hat einen neuen Plan für die Bekämpfung des Coronavirus (hier unter dem Mikroskop zu sehen) vorgelegt.

Das RKI hat einen neuen Plan für die Bekämpfung des Coronavirus (hier unter dem Mikroskop zu sehen) vorgelegt. © picture alliance/dpa

Nun hat auch das Robert Koch-Institut (RKI) einen Plan mit Strategie-Empfehlungen für die kommenden Pandemiemonate in Deutschland vorgelegt. Das mit „Control Covid“ betitelte „Intensitäts-Stufenkonzept“ sieht vier Stufen gekoppelt an Inzidenzen und Bettenkapazitäten für mögliche Lockerungen vor.

Zudem soll eine „Toolbox“ mit gelisteten Infektionsrisiken nach Ansteckungsorten Entscheidungen auf Landkreisebene erleichtern. Die Stufen seien als Orientierungshilfe für die Beurteilung des lokalen Infektionsgeschehens zu verstehen, schreiben die Autoren.

Überlastung des Gesundheitssystems soll nachhaltig vermieden werden

Das übergeordnete Ziel ist bei „Control Covid“ ähnlich formuliert wie bei anderen Stufenplan-Ideen aus der Wissenschaft - etwa No Covid und dem Stufenplan ohne Jojo-Effekt. Die Zahl der schweren Erkrankungen, Langzeitfolgen, und Todesfälle durch Covid-19 sollte möglichst minimiert und eine Überlastung des Gesundheitssystems nachhaltig vermieden werden.

Bis sich Immunität durch die Impfungen einstellt, sei es erforderlich, den erneuten Eintritt in ein exponentielles Wachstum zu verhindern, die diffuse Ausbreitung von Sars-CoV-2 und neuen Virusvarianten zu unterbrechen und die Fallzahlen deutlich weiter „in einen voraussichtlich kontrollierbaren Bereich“ zu senken.

Neue Grenzwerte auf Landkreisebene

Was neu ist: Konkret schlägt das RKI mehrere Grenzwerte auf Landkreisebene vor, um Lockerungen in Betracht zu ziehen. Für breite Lockerungen in mehreren Bereichen brauche es eine Inzidenz unter 10 auf 100.000 Einwohner pro Woche und einen Anteil intensivpflichtiger Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen von weniger als drei Prozent. Nur auf diesem Niveau seien Kontaktnachverfolgung, der Schutz besonders Gefährdeter und Testung zu gewährleisten. Und es brauche einen konkreten Blick auf die Ansteckungsorte in den Landkreisen.

Deshalb definiert das RKI 17 „Settings“ mit unterschiedlicher Ansteckungsintensität und Transmissionsdynamik. Diese verdeutlichen, wie stark sich das individuelle Infektionsrisiko nach Orten unterscheidet, wie der Anteil von Ansteckungen an bestimmten Orten ausfällt, welche Bereiche das Pandemiegeschehen in Deutschland stärker antreiben und in der Konsequenz zu schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen führen.

20-faches Ansteckungsrisiko in Innenräumen

Innenräume seien als wichtigstes, übergeordnetes Setting aufgeführt, da die große Mehrzahl aller dokumentierten Fälle und Cluster auf Innenräume zurückzuführen sind. „Verschiedene Untersuchungen gehen von einem bis zu 20-fachen Ansteckungsrisiko in Innenräumen aus“, hält das RKI fest.

Hohes Infektionsrisiko: Zusammenkünfte in Innenräumen, Alten- und Pflegeheimen, Bars und Clubs

Moderate Risiken: Gastronomie, Personennahverkehr, Universitäten, Schulen und Kitas, religiöse Zusammenkünfte, Theater, Kino, Museen

Niedrige Risiken: Zusammenkünfte im Freien, Fernverkehr, Hotels, Parks, Spielplätze

Trotzdem sei das Übertragungsrisiko in Innenräumen nicht überall gleich groß. Es kommt auf das Hygienekonzept vor Ort an. Die Aerosolmenge beeinflussen zudem Faktoren wie die Dichte der Personen pro Quadratmeter, Größe der Räume, Dauer des Aufenthaltes, Art der Tätigkeit (stilles Sitzen oder Singen).

Für Betriebe könne keine generelle Angabe zu Transmissionsrisiken angegeben werden, da es auch hier stark von der Art der Tätigkeit, den Räumlichkeiten und Schutzkonzepten abhängt. Und für Übertragungen im Freien unter Einhaltung der Aha-Regeln gebe es nur eingeschränkt solide Daten - etwa zum Aufenthalt in Parks, Fußgängerzonen, auf Spielplätzen, Wochenmärkten, Konzerten, Beerdigungen.

Corona-Maßnahmen hängen an vier Intensitätsstufen

Diese „Toolbox“ soll dann in Kombination mit Inzidenzwerten eine Orientierung sein für Entscheidungen zu Maßnahmen auf Landkreisebene. Es gibt dann vier Intensitätsstufen. „Die automatische Kopplung der Intensitätsstufen an einen einzelnen Indikator (wie z. B. Inzidenz) ist nicht ausreichend, um die Komplexität des Infektionsgeschehens sowie die tatsächliche Belastung des Gesundheitssystems und die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung durch Covid-19 abzubilden“, heißt es im Konzept zur Erklärung.

Stufe 3: Auf der höchsten Stufe liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei über 50, es gibt zwölf Prozent freie Intensivbetten, weniger als 60 Prozent der Kontakte können nachverfolgt werden. In diesem Fall dürfen sich in Innenräumen nur Mitglieder der eigenen Familie sehen, Schulen, Einzelhandel und Kulturveranstaltungen sollen schließen. Speisen von Cafés und Restaurants dürfen nur mitgenommen werden.

Stufe 2: Die 7-Tage-Inzidenz liegt zwischen 35 und 50. Bis zu zehn Menschen dürfen sich in Innenräumen treffen. Schulen, Universitäten, Kulturbetriebe, Friseursalons, Hotels und der Einzelhandel könnten wieder öffnen – mit Hygienekonzepten. Für Schulen bleibt Distanzunterricht das Maß, Restaurants bleiben geschlossen.

Stufe 1 und Basisstufe: Weite Öffnungen sind bei Inzidenzen um 10 möglich, auch in Schulen, Restaurants und Cafés. Gilt noch die „Intensivitätsstufe 1“ mit einer Inzidenz zwischen 10 und 35, wären weniger als 50 Menschen in Innenräumen und Versammlungen von weniger als 500 Menschen im Freien erlaubt. Auf der Basisstufe bei einer Inzidenz unter 10 sollen sich bis zu 100 Personen in Innenräumen und bis zu 1000 draußen treffen können.

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