Neuer Spezialblitzer erwischt Handysünder am Steuer

Pilotprojekte

Wer sein Handy am Steuer nutzt, gefährdet den Verkehr. Neue Blitzer mit künstlicher Intelligenz sollen solche Verkehrssünder nun entlarven. Allerdings haben die neuen Blitzer einen Haken.

Niederlande

02.12.2019, 11:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Neuer Spezialblitzer erwischt Handysünder am Steuer

Die neuen Blitzer erkennen, wenn ein Autofahrer ein Handy in der Hand hält. © dpa

Seit Oktober testet die niederländische Polizei als erste in der Europäischen Union einen Blitzer, der mit der Hilfe von künstlicher Intelligenz Smartphone-Sünder am Steuer identifizieren kann.

„Künstliche Intelligenz hat der Kamera beigebracht, zu erkennen, ob ein Fahrer während der Fahrt ein mobiles elektronisches Gerät in der Hand hält“, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Ist dies der Fall, machen die intelligenten Blitzer ein Foto vom Kennzeichen und dem Fahrer.

Auch im australischen Bundesstaat New South Wales (NSW) werden seit Sonntag Kameras zur Erkennung von Mobiltelefonen genutzt, berichtet „The Guardian“. Mit ihrer Hilfe soll die Zahl der Verkehrstoten innerhalb von zwei Jahren um ein Drittel gesenkt werden, teilten die Verkehrsbehörden mit.

Seit 2012 gab es nach Angaben der Behörden in New South Wales 182 Unfälle mit Toten oder Verletzten, bei denen ein Fahrer ein Mobiltelefon in der Hand hielt.

Polizeibeamte müssen Aufnahmen sichten

„Es ist ein System, das die Kultur verändert“, sagte der stellvertretende Kommissar der NSW-Polizei, Michael Corboy, in der vergangenen Woche gegenüber australischen Medien. Wie in den Niederlanden erkennen die Kameras elektronische Geräte in den Händen der Fahrer und machen Bilder vom Verkehrssünder und seinem Autokennzeichen. Anschließend müssen die Aufnahmen von Polizeibeamten gesichtet werden.

In den Niederlanden kostet der Verstoß 240 Euro, in Australien wird sogar eine Geldbuße in Höhe von bis zu 457 australischen Dollar (280 Euro) fällig, hinzu komme ein Punkt in der Verkehrssünderdatei.

„Es ist wichtig, die Aufmerksamkeit auf den Verkehr zu richten. Eine Ablenkung kann lebensbedrohliche Folgen haben. Noch immer sind zu viele Menschen im Verkehr im Allgemeinen und durch Ablenkung im Besonderen getötet oder verletzt worden“, sagt der Projektleiter Egbert-Jan van Hasselt. Deshalb habe es höchste Priorität, Ablenkungen aus dem Straßenverkehr zu beseitigen.

Die Regierung des australischen Bundesstaates hatte die Kameras von Januar bis Juni in einem Pilotprogramm getestet. Dabei seien mehr als 100.000 Autofahrer beim Telefonieren während der Fahrt ertappt worden. Das Benutzen von Freisprechanlagen im Fahrzeug ist laut der Webseite weiter erlaubt.

Handyblitzer auch in Deutschland denkbar?

Eine Schwachstelle scheint die ausgereifte Technik zu haben: Wie die Seite Golem.de berichtet, scheiterten die Kameras bei einem Test in New York daran, die Gesichter der Autofahrer zu erkennen. Aktuell sei die Technologie nicht in der Lage, solche Daten verlässlich zu erfassen. Aus diesem Grund werden die Kameras wohl auch vorerst nicht in Deutschland zum Einsatz kommen, wie der ADAC berichtet.

Denn der Fahrzeughalter könne nicht für derartige Verstöße zur Verantwortung gezogen werden, dafür müsse schon der Fahrer ermittelt werden. „Um ein Bußgeld verhängen zu können, muss daher der Fahrer ermittelt werden können, was in diesem Fall wohl nicht möglich wäre“, so ADAC-Juristin Kristina Benecke in dem Bericht.

Wer in Deutschland mit einem Handy am Steuer erwischt wird, muss ein Bußgeld von 100 Euro bezahlen und erhält einen Punkt in Flensburg. Bei einer durch Handynutzung am Steuer entstandenen Sachbeschädigung werden sogar 200 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot fällig.

RND/mat/dpa