Neuer Stadtneurotiker leidet an alten Problemen bei Woody Allen

Komödie „Whatever Works“

Der Protagonist im 40. Woody-Allen-Film „Whatever Works“ heißt Boris. Er hat eine sehr eigene Art, die unter seinen Straßencafé-Freunden nicht unbedingt auf Gegenliebe stößt. Und mit der Liebe ist es auch so eine Sache.

von Von Klaus-Peter Heß

, 08.12.2009, 14:33 Uhr / Lesedauer: 1 min
Larry David als Boris und Evan Rachel Wood als Melody in der Komödie "Whatever Works".

Larry David als Boris und Evan Rachel Wood als Melody in der Komödie "Whatever Works".

Boris (Larry David) aus Manhattan ist Physiker im Ruhestand, ein geschiedener, notorischer Misanthrop und – das behauptet er jedenfalls von sich – auch ein unentdecktes Genie. Nicht unbedingt beliebt. Wohl aber bei den Zuschauer, die sich der sarkastische Miesepeter durch direkte Ansprache zu Verbündeten macht. Und die haben denn wohl auch einigen Spaß an den politischen Welthasser-Analysen, an den philosophischen Panik-Attacken und hemdsärmeligen Lebensweisheiten, die Boris wie Karnevals-Kamelle unters Volk wirft. Boris ist irgendwie ein alter Bekannter.Alter ego Denn selbstverständlich geht es erneut um problematische Beziehungen, um das mehr oder weniger notwendige Miteinander der Individuen in einer Chaos-Welt, die nur notdürftig durch sinnstiftende Maßnahmen zusammengehalten wird. Schließlich geht’s um Sex und – um Liebe. „Hauptsache es funktioniert“, lautet dabei das Credo von Boris, in dem man gern das Alter ego des Regisseurs sehen möchte, was der wiederum nicht müde wird zu dementieren. Trotzdem legt sich der schlacksige David wie eine Folie über die vielen Neurotiker-Rollen, die Allen bisher persönlich gespielt hat.Woody Allen mit aufgeräumter Lockerheit Dabei ist bei dem inzwischen 74-jährigen Regisseur und Drehbuchautor Allen eine gewisse Altersmilde zu konstatieren. Eine aufgeräumte Lockerheit. Er stellt dem intellektuellen Weltstädter Boris mit der Ausreißerin Melody ein hübsches Dummchen aus dem Süden an die Seite und führt beide sogar zum Traualtar. Tatsächlich funktioniert die Chemie – wenn auch die Reaktionszeit nur von kurzer Dauer ist. Aber als Katalysator weiterer Paarbindungen und einer Dreier-Beziehung erfüllt sie ihren Zweck.

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