Neuer Tatort zeigt Dortmund fest im Griff der Neonazis

"Hydra"

Der neue Dortmund-Tatort "Hydra" läuft erst am 11. Januar in der ARD. Doch schon am Wochenende feierte der im Neonazi-Milieu spielende fünfte Fall von Peter Faber auf dem Lüner Kinofest seine Premiere. Wir sind hingegangen - und haben einen spannenden Film gesehen, in dem Dortmund fest im Griff der Rechtsextremen ist.

DORTMUND

, 17.11.2014, 14:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Tatort: Auf Phoenix-West wird in "Hydra" die Leiche von Kai Fischer gefunden, dem Anführer der Dortmunder Neonazis.

Der Tatort: Auf Phoenix-West wird in "Hydra" die Leiche von Kai Fischer gefunden, dem Anführer der Dortmunder Neonazis.

Der Kopf der Dortmunder Neonazis, Kai Fischer, wird ermordet auf Phoenix-West gefunden. Die Suche nach seinem Mörder führt die Ermittler um Peter Faber (Jörg Hartmann) tief in die Dortmunder Neonazi-Szene. Im Verdacht ist auch die Leiterin einer Beratungsstelle für Opfer von rechter Gewalt namens "Stand up". Ihr mögliches Motiv: Ihr Mann ist in aller Öffentlichkeit von Fischer und seinen Schergen umgebracht worden.

Bei ihren Nachforschungen gerät Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) selbst ins Visier der Rechtsextremen. Sie wird schließlich von Neonazis überfallen. 

Das ist nicht nur mit dem Fall, sondern vor allem mit persönlichen Problemen beschäftigt. Kommissar Daniel Kossik (Stefan Konarske) muss feststellen, dass sein Bruder (Robert Stadlober) in die Neonazi-Szene abgerutscht ist, dazu kriselt es heftig zwischen ihm und seiner Kollegin Nora Dalay. Kommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) sucht nach dem Callboy-Fiasko im letzten Fall die schnelle Liebe in Hotelbars. Peter Faber hingegen hat sich immer besser im Griff als früher: Auf Psycho-Ausraster wie früher, als er über Selbstmord nachdachte oder mit einem Baseball-Schläger ein Auto zerdepperte, wartet man vergebens. Was seiner Rolle gut tut. 

Ein ziemlich deprimierendes. "Hydra" zeigt Dortmund als zerrissene Stadt, in denen "die Türken vom Borsigplatz mit ihren Drogen an einem Tag soviel verdienen wie wir in einem Monat", wie Faber in einem der zahlreichen Wortgefechten mit seinen Kollegen sagt. Gezeigt wird ein Einsatz in der Nordstadt nach einer Messerstecherei

, bei der Faber auf frustrierte Polizisten trifft. Die Probleme in der Nordstadt sind für Drehbuchautor Jürgen Werner ein hervorragender Nährboden für die Parolen der Neonazis. Die treten in "Hydra" auf, als würde ihnen Dortmund gehören. Ein Neonazi-Gegner wird auf einem Bahnsteig totgetreten, Zeugen durch Hausbesuche zum Schweigen gebracht, eine Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt überfallen. Ein eingeschüchterter Zeuge erzählt von Nazi-Aufklebern im Straßenbild, mit der Aufschrift "Dortmund ist unsere Stadt". Tatsächlich gab es solche

in der Realität, vor allem in Dorstfeld.

Man merkt: Drehbuchautor Jürgen Werner hat für „Hydra“ gewissenhaft recherchiert. Seine Neonazis sind keine hohlen Glatzköpfe mit SS-Tattoos, sondern smarte junge Menschen, die sich die Angst vieler Deutscher vor Überfremdung zunutze machen. Sie wettern gegen Rumänen und Bulgaren in der Nordstadt, die sich von den deutschen Sozialsystemen durchfüttern ließen. Sie sprechen von der „schweigenden Mehrheit“, die bald gegen die Ausländer auf die Straße gehen würde. Das alles erinnert stark an die Rhetorik der Partei „Die Rechte“ und die führenden Köpfe der Dortmunder Neonazi-Szene wie Dennis Giemsch und Michael Brück.

Auf jeden Fall! Der Film ist ein kluger, oft bedrückender und immer unterhaltsamer Film. Auch wenn das Thema sehr ernst ist, sorgt "Hydra" mit witzigen Einzeilern immer wieder für Lacher. Zum Beispiel, wenn Faber über seine Verhörmethoden sagt: "Es gab heißen Kaffee und Mettbrötchen, da redet jeder!"