Neues Medikament „Remdevisir“ soll Coronavirus heilen – und könnte für Patentstreit sorgen

Coronavirus

Zur Behandlung des neuartigen Coronavirus haben chinesische Behörden ein Medikament für klinische Versuche zugelassen: Remdesivir.

Hannover

von Alice Mecke

, 07.02.2020, 10:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Neues Medikament „Remdevisir“ soll Coronavirus heilen – und könnte für Patentstreit sorgen

Der neue Wirkstoff „Remdevisir“ soll bei der Behandlung des Coronavirus helfen. © dpa

Zur Behandlung von Coronavirus-Erkrankten haben chinesische Behörden das amerikanische Antivirusmedikament Remdesivir für klinische Versuche mit dem neuen Coronavirus zugelassen. Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, sollen am Donnerstag 761 Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sind, mit der Einnahme des Medikaments beginnen.

Remdesivir ist ein Wirkstoff, der von Gilead Sciences, einem amerikanischen Pharmaunternehmen, entwickelt wurde, sagte Cao Bin, Leiter des klinischen Studienprogramms des Arzneimittels, auf der Pressekonferenz am Donnerstag im Wuhan Jinyintan Hospital in Hubei. Es habe gute Ergebnisse bei anderen Coronaviren wie Sars oder Mers und zumindest auf Zellebene auch bei dem 2019-nCov genannten neuen Virus gezeigt. Bei einem Patienten linderte Remdesivir die Krankheitssymptome – in diesem Fall die Lungenentzündung – innerhalb kurzer Zeit.

Remdesivir ist nicht zugelassen

Das Unternehmen Gilead Sciences verkündigte in einer Pressemitteilung, dass es neben den chinesischen Behörden auch mit der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA, der Weltgesundheitsorganisation WHO und weiteren Einrichtungen zusammen arbeitet, um gemeinsam mit Forschern und Kliniken gegen das Coronavirus vorzugehen.

Remdesivir war bis kurz vor dem Test noch nirgendwo auf der Welt lizenziert oder zugelassen. Auf Nachfrage der behandelnden Ärzte, und mit Unterstützung der örtlichen Aufsichtsbehörden, die die Risiken und Vorteile der Bereitstellung eines experimentellen Arzneimittels ohne Daten abgewogen haben, wurde Remdesivir zur Verfügung gestellt. Zunächst für eine kleine Anzahl von Patienten – als Notfallbehandlung ohne genehmigte Behandlungsoptionen. Die Daten gaben laut US-Pharmakonzern „Anlass zur Hoffnung“. Nun ist Remdesivir für klinische Tests zugelassen.

Erste Erfolge bei der Behandlung

Remdesivir wurde ursprünglich zur Behandlung des Ebolavirus entwickelt, erwies sich aber als unwirksam. Eine Studie aus Amerika, die im New England Journal of Medicine erschienen ist, zeigte aber, dass Remdesivir bei der Behandlung des Coronavirus helfen kann. Ein infizierter Patient, der an einer Lungenentzündung erkrankt ist, erhielt am siebten Tag seiner stationären Behandlung Remdesivir verabreicht, kurze Zeit später verbesserte sich sein Zustand laut Studienautoren. Sie merken jedoch an, dass weiter geforscht werden müsse.

Als „hochwirksam“, zumindest auf Zellebene, wurde der Wirkstoff von einer weiteren Forschergruppe eingestuft. Die Gruppe verfolgte den Ansatz, bereits vorhandene Wirkstoffe bei der Behandlung verwandter Virusinfektionen zu testen – das Coronavirus gehört zur Gruppe der Betacoronaviren, zu der auch das Sarsvirus zählt. Medikamente, die bei diesen Erkrankungen zum Einsatz kamen, wurden von den Forschern getestet.

Remdesivir, sowie der Wirkstoff Chloroquin, der seit über 70 Jahren angewendet wird, zeigten Erfolge und sollten laut Forschern bei der Behandlung des Coronavirus eingesetzt werden.

761 Patienten erhalten den Wirkstoff

Insgesamt erhalten 761 Patienten, die an einer durch das Coronavirus hervorgerufenen Lungenentzündung erkrankt sind, den Wirkstoff. Beim klinischen Test werden auch Placebos verabreicht. Die Studien werden vom China-Japan Friendship Hospital und dem Institut für Materia Medica der Chinesischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (CAMS) in verschiedenen Krankenhäusern in Wuhan durchgeführt.

Es werde Hoffnungen auf das Medikament gesetzt, aber auf die Ergebnisse seiner tatsächlichen Wirksamkeit in den klinischen Studien müsse gewartet werden, sagte Wang Chen, Vizepräsident der Chinese Academy of Engineering und Präsident der CAMS, bei der Pressekonferenz

Chinesen melden Patent an

Auf anderer Ebene könnte der neue Wirkstoff aber für Probleme sorgen: Wie „Bloomberg“ berichtet, hat das „Institute for Virology“ in Wuhan das neue Medikament für ein nationales Patent angemeldet – was möglicherweise dazu führen würde, dass die US-Entwickler des Wirkstoffs beim Vertrieb in Zukunft mit den chinesischen Wissenschaftlern zusammenarbeiten müssen. Ein Schritt, der aus Sicht von Bloomberg mal wieder die Frage nach dem laxen Umgang mit intellektuellem Eigentum in China aufwirft.

Lesen Sie jetzt