Nicht er, sie hat hier die Hosen an

Neu im Kino

„Lady Macbeth“ ist ein meisterliches Kinodrama mit listigem Frauenzimmer.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 05.11.2017, 14:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Florence Pugh spielt die Frau, die nicht daran denkt, bloß herumzusitzen wie ein Möbelstück. Foto: Koch Films

Florence Pugh spielt die Frau, die nicht daran denkt, bloß herumzusitzen wie ein Möbelstück. Foto: Koch Films © picture alliance / -/Koch Films/

Katherine (Florence Pugh) hat geheiratet. Wurde geheiratet, muss man sagen. Sie soll dem Sohn eines Minenbesitzers den Erben gebären, bläut der Schwiegervater ihr ein. Katherines Mann (Paul Hilton) aber rührt sie nicht an, lieber demütigt und schikaniert er sie mit Grausamkeit und Kälte. Armes Mädchen, schutzlos, allein und ausgeliefert. William Oldroyds „Lady Macbeth“ hat die Zutaten für eine Passionsgeschichte gequälter Weiblichkeit, doch es kommt anders.

Die Geschichte spielt im England des 19. Jahrhunderts, irgendwo im rauen Hochland. Es könnte ein Setting für einen Film nach Jane Austen sein, aber Katherine ist aus anderem Holz als Austens schöngeistige Sensibelchen – sie entpuppt sich als durchtriebenes Biest.

Russische Novelle


Oldroyd und seine Autorin Alice Birch haben eine russische Novelle von 1865 adaptiert, die sich ihr Menschenbild von Shakespeare borgt, nämlich die schwarzen Seelen aus „Macbeth“. Die schwärzeste gehört Katherine, die über Leichen geht und alle aus dem Weg räumt, die ihr gefährlich werden. Das ist mal eine (Anti-) Heldin: ein amoralisches Frauenzimmer, eine Figur wie aus japanischen Rachefilmen („Lady Snowblood“), ohne Schwert, aber bewaffnet mit skrupelloser Entschlossenheit.

Katherines Mann, der Kotzbrocken, verlässt für Wochen das Haus. Sie holt sich den Stallburschen (Cosmo Jarvis) ins Bett und kämpft bis aufs Blut für ihren Liebhaber. Shakespeare, „Lady Chatterley“ und das Räderwerk griechischer Tragödien finden ein Echo in diesem meisterlichen Psychodrama, das enorme Spannung aufbaut.

Riot Girl von 1850


Die Bilder sind komponierte Tableaus von einer Strenge, die auch den Sittenkodex von damals spiegelt. Die von Florence Pugh großartig gespielte Katherine pfeift auf Moral und Anstand: ein listiges „Riot Girl“ von 1850, schlauer als die Kerle, die ihr auf der Nase herumtanzen wollen.

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