Nicht lange rätseln

BOCHUM Bis Mitte April sollen Eltern und Erzieherinnen Klarheit haben, welche katholischen Kindergruppen von anderen Trägern weitergeführt werden.

von von Joachim Stöwer

, 13.02.2008, 16:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nicht lange rätseln

34 Gruppen in 16 Einrichtungen hatte der Zweckverband für Tageseinrichtungen im Bistum Essen auf die rote Liste gesetzt und sich auch nicht von der 100-prozentigen Übernahme der Kosten durch die Stadt umstimmen lassen. Warum - darüber rätselte gestern auch der Jugendhilfeausschuss (JHA).

Elterninitiativen

Nicht lange rätseln sollen aber die Betroffenen: Die Verwaltung wird in den nächsten Wochen die Betriebsübergänge und Übernahmen mit interessierten Trägern und Elterninitiativen besprechen, damit noch vor der Sommerpause der JHA die ersten Einzelfälle beschließen kann.

Drei Kernziele verfolgt die Stadt dabei, wie Jörg Klingenberg vom Jugendamt aufzählte: den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz sichern, die Mitarbeiterinnen und ihre Konzepte übernehmen und die räumlichen Voraussetzungen erhalten. Letzteres gilt auch, wenn - wie in einigen Fällen - mangels Nachfrage Gruppen ohne Ersatz geschlossen werden können; freie Kapazitäten könnten künftig für die U3-Betreuung zur Verfügung stehen.

Erste interessierte Träger für die Übernahme der rund 8,5 Prozent an Bochumer Kiga-Plätzen (zwischen 2008 und 2010) haben sich bereits beim Jugendamt gemeldet: AWO, Caritas, DRK, der kath. Sozialdienst sowie das St. Vinzenz-Kinderheim.

100 Prozent Kosten

Andere stünden aber auch bereit, sagt Klingenberg. Und schließlich sollen auch Elterninitiativen eine Chance erhalten. Sie müssen keine finanziellen Lasten schultern - die Stadt übernimmt 100 Prozent der Träger-Kosten, was einen zusätzlichen Anteil von 335000 Euro jährlich ausmacht. Der DPWV kann sie in Organisations-, Rechts- und Etatfragen beraten.

Durch alle Fraktionen herrschte Konsens, dass auch die Übernahme der Mitarbeiterinnen durch die neuen Träger Voraussetzung sein soll. Schwierige Fragen ergeben sich nur an wenigen Plätzen, wo die Gebäude nicht mehr zur Verfügung stehen (wie in Gerthe).

Einigkeit im JHA aber auch in der Kritik darüber, dass das Bistum sowohl inhaltlich wie auch vom Verfahren her "falsch entschieden hat", so Ausschuss-Vorsitzender Hermann Päuser (SPD, Foto), und CDU-Sprecher Christian Haardt sieht in der Aufgabe einen "tiefen Einschnitt in die Trägerlandschaft". Da sei sich der Bischof wohl nicht klar über den gesellschaftlichen Auftrag der Kirche zur Werteerziehung gewesen, schüttelt Jugendamtsleiter Dolf Mehring nur den Kopf.