Nicole Kidman als „Königin der Wüste“

Neu im Kino

Gertrude Bell (1868 - 1926) bereiste vor und während des Ersten Weltkriegs den Nahen Osten. Sie kannte die Araber wie niemand sonst, war Forscherin, Autorin und Beraterin bei der Ziehung der Grenzen durch die Kolonialmächte.

04.09.2015, 14:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
Nicole Kidman als „Königin der Wüste“

Gertrude Bell (Nicole Kidman) und Thomas Edward Lawrence ( Robert Pattinson) in „Königin der Wüste“

Trotzdem ist sie kaum bekannt. Weil "Lawrence von Arabien" heller strahlt? Kino stürzt sich heute gern auf Entdecker-Frauen, die Hunger auf die Welt hatten. Folglich kommt Werner Herzog daher, um Bell mit "Königin der Wüste" den Glorienschein zu verleihen.

Seine Gertrude wird von Nicole Kidman gespielt, deren Alabaster-Gesicht sie wie den Prototyp der "weißen Frau" aussehen lässt, allein unter Beduinen. Etwas Karl May ist schon dabei, wenn Bell und Gefährten mehrfach von wilden Reitern umzingelt werden. Doch die Dame findet stets die rechten Worte, um die Söhne der Wüste zu beeindrucken.

Edelschnulze

Starkino mit Frau ist man von Herzog nicht gewohnt, auch nicht die Glätte des Erzählens, die so weit geht, dass hinter gelben Dünen die Edelschnulze lauert. Gertrude hat Pech mit den Männern. Dem piefigen England entflohen, verliebt sie sich in Teheran in den Botschaftssekretär (blass: James Franco). Der sich umbringt, als Gertrude abreist, um dem Vater ein Ja zur Hochzeit abzuringen.

"Mein Herz gehört nun niemandem, nur der Wüste!" Einer der pathetischen Tagebuch-Einträge, die Herzog im Off aufsagen lässt. Schnulzig auch das. Doch bald schäkert Gertrude mit Lawrence (Robert Pattinson), ernst wird es mit dem Konsul in Damaskus (Damian Lewis), der leider bei Gallipoli fällt.

Jetzt gibt es für Bell nur noch die Wüste. Deren erhabene Weite hat Peter Zeitlinger stimmungsvoll fotografiert. Früher, mit dem Berserker Kinski, hätte Herzog Figur und Natur in Beziehung gesetzt, das war seine Marke.

Wenig Herzog

Mit Kidman klappt das nicht. Die sieht gut aus mit Dromedar, bleibt aber immer die Kidman, die bloß blumige Poesie absondert. Dank seiner Exotik ein unterhaltsamer Film - von Werner Herzog nichts zu spüren.