Niedrige Hemmschwelle durch Aktionstag

Selbsthilfe in Bochum

Es gibt Situationen, in denen brauchen Menschen einfach nur jemanden zum Reden. Jemanden, der sie versteht, weil er ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Für solche Situationen gibt es die Selbsthilfegruppen, auch SHG genannt. Am Samstag (8.) stellen sich zahlreiche SHGs in der Innenstadt beim inzwischen schon 9. Selbsthilfetag vor.

BOCHUM

, 07.08.2015 / Lesedauer: 2 min
Niedrige Hemmschwelle durch Aktionstag

»Aber morgen fange ich richtig an!« Das sagen sich viele Menschen, die unter Prokrastination - also Aufschiebeverhalten - leiden, täglich. In Bochum gibt es eine Selbsthilfegruppe für Betroffene.

Hintergrund der Veranstaltung ist die Schaffung eines niedrigschwelligen Angebotes. Denn nicht immer schaffen Menschen aus eigener Kraft den Weg zu Selbsthilfegruppen, trauen sich vielleicht nicht oder wissen gar nicht, was dort angeboten wird. Dagegen soll der Selbsthilfetag Abhilfe schaffen – und richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern auch an ihre Angehörigen.

Denn wer mit einem kranken Menschen zusammenlebt, braucht vielleicht auch mal Unterstützung oder Beratung – auch das können Selbsthilfegruppen leisten. Ein Dauerbrenner sind dabei nach wie vor Suchterkrankungen. Doch auch psychische Probleme nehmen zu: „Die Menschen sind belasteter“, sagt Birte Hackstedt von der Bochumer Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen.

Sie spürt in ihrer Arbeit auch deutlich den Zusammenhang der Wirtschaftslage mit dem Wohlbefinden der Menschen: „Wir merken, dass das Opel-Werk geschlossen hat und manche Menschen dadurch in tiefe Krisen gestürzt sind“, sagt sie.

Kreative Ideen

Diese Menschen nicht alleine zu lassen, sie bei der Arbeit an ihren Krisen zu begleiten, das versuchen die Bochumer Selbsthilfegruppen – auch weil die Menschen in ihren Krisen zunehmend isolierter leben: „Irgendwann will niemand aus dem privaten Umfeld mehr etwas von den Problemen hören. Die Selbsthilfegruppen bieten deshalb die Möglichkeit zum Austausch mit Menschen, die genau wissen, was man gerade durchmacht“, sagt Hackstedt.

Doch es geht nicht immer nur ums Reden – auch wenn es hilft –, sondern auch um kreative Lösungen, das anzupacken, was einen belastet. So gründe sich derzeit eine Gruppe zur Kunst und psychischen Erkrankungen. „Man ist überrascht, wie vielfältig Selbsthilfe sein kann“, sagt Hackstedt – und freut sich darauf, den Bochumer am Samstag in der Innenstadt diese Vielfalt zeigen zu können.  

35 Gruppen aus Bochum werden beim Selbsthilfetag vertreten. Neben Infoständen gibt es erstmals ein Bühnenprogramm mit Chören und Bands und Interviews mit Betroffenen. Der Selbsthilfetag findet von 10 bis 18 Uhr auf allen Ebenen des City-Points und der Drehscheibe statt.

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