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Niemals geht man so ganz

BAROP Die Volksbühne Barop-Hombruch ist in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Aber keiner hat es bemerkt, denn sie existiert nur noch auf dem Papier.

von Von Jörg Bauerfeld

, 09.11.2007

Am 11.11. fällt der Startschuss zur so genannten "fünften Jahreszeit". Karneval ist wieder in aller Munde. In vielen Sälen steht "ein Pferd auf dem Flur", Helau und Alaaf gehören zum alltäglichen Sprachgebrauch. Narren laden zu Prunksitzungen ein, feiern, was das Zeug hält. Jahrelang galt dies auch für das närrische Völkchen in Barop. Ein Besuch der Prunksitzungen der Volksbühne Barop-Hombruch gehörte für einen Dortmunder Karnevalsjeck zum guten Ton. Es ging lustig zu in der Bütt. Dazu gab es bunt geschmückte Wagen, standesgemäß in den Farben blau und weiß, die für optische Höhepunkte beim Dortmunder Rosenmontagszug sorgten. Fesche Funkenmariechen hoben die Beine im Takt und begeisterten ihr Publikum - alles nur noch schöne Erinnerungen. 100 Jahre ist die Baroper Volksbühne in diesem Jahr geworden. Eine Institution, die auf der Theaterbühne und im Karneval die Menschen, nicht nur im Dortmunder Süden, begeisterte.

Die Volksbühne wurde 1907 gegründet

100 Jahre, in denen Schauspieler und Freunde der Narretei den Menschen viele Freude bereitet haben. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch es war ein leiser Geburtstag, die große Feier gab es nicht. Irgendwie scheint die Volksbühne Barop von der Bildfläche verschwunden zu sein. "Den Verein gibt es nur noch auf dem Papier", erklärt Hartmut Ehringhaus, selbst langjähriges Mitglied und seit Anfang des Jahres nicht mehr dabei. "Innere Unstimmigkeiten", das Wegbrechen von Sponsoren - der Verein löste sich langsam in seine Bestandteile auf. Am 6. März 1907 wurde die Volksbühne als reiner Theaterverein gegründet. 1977 kam, sozusagen als zweites Standbein, der Karneval hinzu.

Die jährlichen Prunksitzungen sorgten für ein ausverkauftes "Parkhaus Barop". "Und es wurde richtig etwas geboten. Das Programm war anspruchsvoll", erinnert sich Jörg Rogowski, der über 20 Jahre Mitglied in der Volksbühne war. Als Tänzer in der gemischten Garde und als Organisationsleiter.

"Heute kein Hamlet" hieß die letzte Theateraufführung

Und das die Hombrucher durchaus Jeck waren, zeigten auch die beiden Dortmunder Prinzenpaare Johann I., Renate III. (1986) und Klaus II. mit Nina I.(1997) die als Botschafter aus dem karnevalistisches Zweig der Volksbühne die Dortmunder Narren eine Session lang regierten. Aber das ist alles Schnee von gestern. 2005 fand im alten Parkhaus Barop die letzte Kinderkarnevals-Sitzung statt.

Ein Jahr zuvor war mit dem Stück "Heute kein Hamlet" schon der letzte Vorhang des Volksbühnen-Theaters gefallen. Und das "Pferd auf dem Flur", das wird man auch in diesem Jahr wieder vergeblich auf einer Veranstaltung der Volksbühne suchen. Was bleibt sind schöne Erinnerungen. An die jecken Stunden und an die großen Theaterabende.