Noch nicht bereit für Frauen

HERBEDE "Ich habe einfach ein Helfersyndrom", sagt Svenja Fitzke. Die 21-Jährige macht eine Ausbildung zur Gesundheitskrankenpflegerin. Sie hat noch ein Jahr bis zur Prüfung. In ihrer Freizeit ist sie noch ehrenamtlich für den Rettungsdienst tätig. Doch ihr Kindertraum ist es, bei der Freiwilligen Feuerwehr Mitglied zu werden.

von Von Julia Reidegeld

, 12.11.2007 / Lesedauer: 3 min
Noch nicht bereit für Frauen

Andreas Witt überreichte Svenja Fitzke ihren Antrag. Jetzt ist sie Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Svenja wuchs in Herbede auf, dort wohnt sie mit ihrer jüngeren Schwester zusammen, dort hat sie ihre Freunde. Naheliegend war deswegen die Entscheidung, zur Herbeder Feuerwehr zu gehen. Dort, wo auch schon Svenjas Vater ist. "Wir sind in meiner Kindheit zwei Mal umgezogen und immer näher zur Feuerwehr", sagt sie schmunzelnd.

Obwohl das Thema "Frauen in die Freiwillige Feuerwehr" in einer bundesweiten Initiative groß aufgegriffen wurde (RN berichteten) und sich auch die Berufsfeuerwehr Witten daran beteiligt , ist die Botschaft noch nicht bei allen angekommen.

Unglückliche Umstände führten dazu, dass sich die Herbeder Feuerwehrmänner gegen Svenja entschieden und somit gegen die erste Frau in ihrer Einheit. "Der Löscheinheitsführer Wolfgang Oelfke sieht sich derzeit nicht in der Lage, eine Frau aufzunehmen", bedauert Feuerwehr-Chef Hans-Joachim Donner und fügt hinzu: "Mir ist das wirklich peinlich."

Autorität untergraben

Svenjas Vater, der gleichzeitig stellvertretender Chef in Herbede ist, hatte während der Abwesenheit des ersten Mannes versucht, seine Tochter in die Feuerwehr zu holen. Leider ohne Erfolg - Oelfke fühlte seine Autorität als Löscheinheitsführer untergraben, eine Versammlung wurde einberufen. Ein Tagesordnungspunkt lautete: Frauen in die Feuerwehr - ja oder nein?", erinnert sich die 21-Jährige. Die Einladung hatte sie bei ihrem Vater gesehen, der ihr auch mitteilte, dass der Antrag schließlichganz knapp abgelehnt wurde. "Natürlich wusste ich, dass es da um mich geht", sagt sie traurig.

"Ich habe nichts gegen Svenja. Aber da ist zu viel kaputt gegangen", entschuldigt sich Oelfke. Leider habe sie auch nie das Gespräch mit ihm gesucht. "Svenja wäre unter diesen Umstände bei uns auch nicht glücklich geworden", meint Oelfke zu wissen. Und Svenja? "Ich lass mir nicht alles gefallen", dachte sich die 21-Jährige und ging kurzerhand zur Freiwilligen Feuerwehr Buchholz.

Antrag bewilligt

Am letzten Freitag wurde ihr Antrag dort bewilligt. Dort ist sie auch die erste Frau bei den Aktiven. "Es gibt noch zwei Mädchen bei der Jugendfeuerwehr. Da können wir Svenja wirklich gut gebrauchen", freut sich Donner.

Und die Herbeder? "Da müssen wir etwas unternehmen, so dass ein Umdenken stattfindet", sagt der Feuerwehr-Chef, der voll und ganz hinter der bundesweiten Kampagne Frauen-am-Zug steht. Der sich unlängst fragte, warum die Frauen bei Polizei und Bundeswehr angekommen sind, nur nicht bei der Feuerwehr. jure