Nokia schließt Werk Bochum - 2300 Mitarbeiter betroffen

BOCHUM Schock für die 2300 Bochumer Mitarbeiter von Nokia und auch die gesamte Stadt. Der Konzern will sein Bochumer Werk bis Mitte des Jahres komplett schließen. Die Produktion soll in andere europäische Nokia-Werke verlegt werden.

von Von Thomas Aschwer

, 15.01.2008, 10:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Nokia-Werk in Bochum-Riemke soll bis Mitte des Jahres geschlossen werden.

Das Nokia-Werk in Bochum-Riemke soll bis Mitte des Jahres geschlossen werden.

Noch in diesem Quartal soll nach Angaben einer Unternehmenssprecherin die Produktion in einem neuen Werk im rumänischen Cluj aufgenommen werden. Ein weiterer Teil der bisherigen Massenfertigung in Bochum soll auf das Werk Komárom in Ungarn verlagert werden. Für Spitzenprodukte mit Bedarf an hochqualifizierter Arbeitskraft ist die Verlagerung in das finnische Nokia-Werk in Salo geplant.

„Bochum war einfach als Standort nicht global konkurrenzfähig zu machen.Deutschland ist ein sehr teures Land für unsere Produktion“, so die Sprecherin.  Auch im Vergleich zu Finnland sei die Produktion in Bochum „wesentlich teurer“, sagte Suominen. Dabei gehe es nicht nur um die direkten Lohnkosten. „Alle an der Produktion dranhängenden Kosten sind in Deutschland deutlich höher. Eine Erneuerung des Standorts Bochum würde zusätzliche Investitionen erfordern, doch selbst diese würden nicht dazu führen, die Produktion in Bochum weltweit wettbewerbsfähig zu machen."

Gleichzeitig mit der geplanten Schließung des Standorts Bochum gab Nokia heute Morgen bekannt, dass das Unternehmen den Verkauf des Bereichs Line fit Automotive Business (ab Werk integrierte Lösungen für die Fahrzeugindustrie) plant. Die Verhandlungen hätten bereits begonnen.

"Die geplante Schließung des Bochumer Werkes ist notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit von Nokia langfristig zu sichern", sagte gestern Veli Sundbäck, Executive Vice President von Nokia und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Nokia GmbH. "Es kann hier nicht so produziert werden, dass die globalen Anforderungen hinsichtlich Effizienz und flexiblem Kapazitätswachstum erfüllt werden. Daher mussten wir die harte Entscheidung treffen."

Aus einem ganz anderen Blickpunkt schaut die IG Metall auf den Handy-Hersteller. Im Sommer des vergangenen Jahres kritisierte die Gewerkschaft, dass zu den 650 Beschäftigten im Produktionsbereich 650 Leiharbeitnehmer hinzu kommen. In Spitzenzeiten seien es sogar bis zu 800 Leiharbeitnehmer. Dabei würde der Verleiher Allbecon die Arbeitkräfte an Nokia zu besonders unwürdigen Bedingungen ausleihen. "Die dort Beschäftigten müssen sich verpflichten, dem Verleiher für den Einsatz bei Nokia als Vollzeitkraft zur Verfügung zu stehen. Verträge erhalten sie jedoch nicht für die entsprechenden 152 Stunden im Monat sondern nur für 110 oder neuerdings gar nur für 60 Stunden."  Die Kolleginnen und Kollegen seien in vielen Fällen auf staatliche Ersatzleistungen wie ergänzendes Hartz IV angewiesen."

Auf Initiative der IG Metall und des Betriebsrates habe es bei Nokia in Bochum für einen Teil der dort eingesetzten Leiharbeitnehmer eine klare Verbesserung gegeben. "Dem Verleiher WIR sind die Aufträge bei Nokia gekündigt worden. Die Firma WIR wird auch keinen weiteren Einsatz mehr bei Nokia bekommen. Anlass war die skandalöse Praxis, Beschäftigte mit willkürlichen Vertragsstrafen von 147 € zu belasten." Die bei Nokia eingesetzten Beschäftigten seien, so die Gewerkschaft ohne neue Probezeit über andere Leiharbeitsfirmen weiterbeschäftigt worden. "Statt des Billigtarifs der Christlichen Gewerkschaft von 7,00 € erhalten sie jetzt 7,38 € entsprechend DGB-Tarif, ein Plus von 58 € im Monat."