Nominierte für Dramatikerpreis stehen fest

Festival Stücke

"Wir leben in hochaufgeladenen Zeiten. Auch deshalb hat das Festival ,Stuecke' so eine große gesellschaftliche Bedeutung." Staatssekretär Bernd Neuendorf lobte gestern bei der Präsentation der für das Festival nominierten Produktionen im Theater an der Ruhr in Mülheim die Auswahl der Juroren.

MÜLHEIM

, 22.02.2017, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nominierte für Dramatikerpreis stehen fest

In „Vereinte Nationen“ von Clemens Setz zeigt das Nationaltheater Mannheim, wie Eltern ihr Kind beschimpfen und bestrafen.

Stücke über Gewalt in einer Zeit gesellschaftlicher und politischer Verunsicherung dominieren den Spielplan des 42. Festivals, in dem es vom 13. Mai bis 3. Juni um den mit 15000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis geht. In den fünf Kinderstücken (Zuschauer von sechs bis zwölf Jahre) in der ersten Festivalwoche stehen Außenseiter im Mittelpunkt.

Theaterstücke, die neu auf die Bühne gekommen sind, haben die Juroren gesichtet - "das war in diesem Jahr eine besonders große Anzahl", sagt Cornelia Fiedler, Sprecherin des Auswahlgremiums. Sieben Stücke von drei Autorinnen und vier Autoren hat das Gremium ausgewählt. Vier Festival-Debütanten sind dabei, darunter zwei mit ihrem allerersten Theaterstück.

Dies sind die sieben ausgewählten Theaterstücke:

  • Zum 18. Mal ist Elfriede Jelinek bei dem Festival vertreten - diesmal mit "Wut" in der Inszenierung der Münchner Kammerspiele. Das Gesellschaftspanorama ist eine Reaktion auf den Anschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo", in dem "Wutbürger" zu Wort kommen.
  • Ihr Festival-Debüt gibt Milo Rau mit "Empire" (Zürcher Theater Spektakel), eine Exil-Erzählung, die in arabischer, kurdischer und griechischer Sprache mit deutschen Untertiteln zu sehen ist.
  • Erstmals in Mülheim vertreten ist auch Konstantin Küspert. Sein "europa verteidigen" (ETA Hoffmann Theater Bamberg) erzählt von Vertreibungen - von den Wikingern bis zur Wehrmacht.
  • Sein erstes Theaterstück hat der Prosaautor Clemens J. Setz mit "Vereinte Nationen" (Nationaltheater Mannheim) geschrieben. Es geht um in eine Familie, in der die Eltern filmen, wie ihre Tochter beschimpft und bestraft wird.
  • Als jüngste Autorin ist Olga Bach mit "Die Vernichtung" (Konzert Theater Bern) dabei. - Ein Endzeit-Tableau.
  • Humorvoll geht Ferdinand Schmalz in seinem Stück "der thermale widerstand" mit Auflehnung um (Schauspielhaus Zürich). Im Mittelpunkt steht ein revolutionärer Bademeister eines Kurbades, das zum Wellness-Tempel aufgemotzt werden soll.
  • Comichaft gezeichnet ist Anne Leppers Stück "Mädchen in Not" (Nationaltheater Mannheim) und trotzdem eine "bittere Zeitdiagnose", lobte das Auswahlgremium.

"Dies ist ein sehr analytischer und kritischer Jahrgang", erklärt Cornelia Fiedler, "die Autoren bilden die Gesellschaft nicht nur ab, sie reflektieren sie. Aber es ist auch ein Jahrgang, der weiß, wie wichtig Humor in diesen Zeiten ist."

"Borderline Prozession" wurde aussortiert

Ob die "Borderline Prozession" des Dortmunder Schauspielintendanten Kay Voges, die zum Berliner Theatertreffen eingeladen ist, auch in die engere Auswahl gekommen sei, fragte ein Journalist. "Nein", sagte Fiedler, "weil sie eine Sammlung aus Zitaten sei - ein Gesamtkunstwerk, aber kein originärer Text." 20 Stücke seien näher geprüft worden, ob man sie einladen könne. Darunter sei auch die "Borderline Prozession" gewesen.

Dies sind die fünf Kinder-Stücke:

  • „Die Glücksforscher“ von Marc Becker, Oldenburgisches Staatstheater.
  • „Dickhäuter“ von Tina Müller, Theater Fallalpha Zürich.
  • „Der dicke Sternschnuppe“ von Julia Penner, Theater Osnabrück.
  • „Aus die Maus“ von Georg Piller und Nadja Sieger, Grips Theater Berlin.
  • „Die Biene im Kopf“ von Roland Schimmelpfennig, Consol Theater Gelsenkirchen.

Die genauen Termine der Vorstellungen in der Stadthalle, im Theater an der Ruhr und im Ringlokschuppen Mülheim stehen in zwei Wochen fest.

Der beginnt am 25. März unter Tel. (02 08) 96 09 60.

 

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