Norbert Gieselmanns "Held der Westlichen Welt" spielt im Ruhrgebiet

ESSEN Christo hat ein Problem, nicht weil er seinen Vater erschlagen hat, sondern weil Papa die Attacke überlebt hat. Eben noch der gefeierte Held in der Kneipe, verachtet ihn nun die Dorfgemeinschaft. Die turbulente Komödie "Der Held der westlichen Welt" von John Millington Synge hat David Gieselmann mit viel Wortwitz bearbeitet und die Handlung ins Ruhrgebiet der 60er Jahre verlegt. Intendant Anselm Weber hat die Überschreibung mit seinem spielfreudigen Ensemble im Grillo Theater in Szene gesetzt.

von Von Britta Helmbold

, 21.09.2008, 15:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
Alle gegen den schönen Christo (Nicola Mastroberardino, 2.v.r.).

Alle gegen den schönen Christo (Nicola Mastroberardino, 2.v.r.).

In einem wunderschön schrecklichen Kneipen-Interieur samt Kegelbahn (Bühne: Vera Knab) taucht der schöne Fremde auf, Italiener Christo. Die Mädels sind von ihm gleich begeistert und der Wirt stellt ihn ein. Die schlagfertige Kneipentochter Jenni, fertigt kurz ihren einfältigen Verlobten ab, um sich mit Christo zu vermählen.

Nicola Mastroberardino wird als Christo zunehmend zum großkotzigen Prahler, schildert gesternreich seine Tat und wird erst wieder ängstlich als sein Vater auftaucht. Um seinen Heldenstatus zu behalten, schlägt er ihn ein zweites Mal tot. Doch diesmal hat die Kneipenbesetzung zugesehen, und ein erzählter Mord ist eben besser als die trostlose Realität. Vor der aufgebrachten Meute rettet der wiederauferstandene Papa seinen Sohn. Zurückbleibt die sensationslüsterne Gemeinde und im Radio singt Peter Alexander "Die kleine Kneipe".

So witzig wie der Kommentar zum Abschluss ist auch die kurzweilige Inszenierung mit durchweg überzeugenden Protagonisten, die auch mal wieder ihre Gesangskünste unter Beweis stellen dürfen. Sarah Viktoria Fricks Jenny ist selbstbewusst und energisch in der Durchsetzung ihrer Ziele. Ihren Vater gibt Christoph Finger mit Rock´n´Roller-Tolle als zunehmend betrunkener werdenden Säufer. Übermäßiger Alkoholkonsum lässt auch Christos Papa (Rezo Tschchikwischwili) immer wirrer erscheinen in diesem skurrilen Spektakel, das das Premieren-Publikum mit viel Applaus belohnte.

Aufführungen: 24., 27. 9.; Karten: Tel. (02 01) 8 12 22 00.

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