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Chilenin erzählt Schülern von ihrer Flucht

Pinochet-Diktatur

Isabel Lipthay spricht, singt, tanzt und lacht – gegen das Vergessen. Die Chilenin, die 1983 aus ihrem Heimatland fliehen musste, war am Mittwoch zu Gast in der Gesamtschule Nordkirchen und ließ Oberstufenschüler an ihrem bewegten Leben teilhaben.

NORDKIRCHEN

, 27.03.2014
Chilenin erzählt Schülern von ihrer Flucht

Der Lehrer Peter Jablonowski (l.) hatte den Kontakt zu Isabel Lipthay (Mitte) hergestellt und sie in die Gesamtschule eingeladen.

Chile ist ein verrücktes Land, „mein verrücktes Land“, sagt Isabel Lipthay und lacht. Was sie dann erzählt, sind aber keine Geschichten von wilden Strandpartys, sind keine lustigen Anekdoten aus Kindheitstagen, sind eigentlich keine Erinnerungen, die in irgendeiner Form als „schön“ durchgehen könnten. Diktatur, Unterdrückung, Zensur, Haft und Flucht – davon erzählt sie stattdessen.

Von 1973 bis 1990 regierte Augusto Pinochet in Chile diktatorisch. Unter seiner Führung wurden in Chile viele Menschenrechtsverletzungen begangen, große Teile der Bevölkerung unterdrückte er gewaltsam, ließ sie foltern und verhaften. Auch Isabel Lipthay. Warum? Ja – warum? Eine Antwort auf diese Frage ist schwer zu finden – überzeugen tut keine der möglichen Erklärungen. Gemeinsam mit Freunden veranstaltete Isabel Lipthay in den 1980er-Jahren eine Kulturveranstaltung zur Unterstützung von zwei Studenten, die aus der Uni „herausgeschmissen“ worden waren. Im Anschluss daran wollte sie versuchen, in einer Zeitschrift darüber zu berichten. Isabel Lipthay arbeitete als Kulturjournalistin. An diesem Abend mischten sich jedoch Polizisten in Zivil unter die jungen Menschen – 98 von ihnen wurden festgenommen, in ein dunkles, kaltes Gefängnis gesperrt. Auch wenn sie aus der Haft wieder freigelassen wurde, in Isabel Lipthay reifte nach und nach die Gewissheit: „Wenn ich hierbleibe, dann kann es sein, dass ich bald sterbe.“1983 stieg sie in ein Flugzeug, trat die Flucht nach Münster an. „Deutschland war nicht mein Wunschland. Ich musste einfach fliehen“, erzählt sie. Da sie eine Bekannte in Münster hatte, fiel die Wahl auf die Bundesrepublik. Wie ihr die Flucht gelang, wie die Haftbedingungen waren, warum sie wieder freigelassen wurde – die Schüler der Gesamtschule hatten viele Fragen an die chilenische Zeitzeugin. In den letzten Wochen hatten sie sich im Unterricht auf den Besuch vorbereitet. Am Mittwoch zeigten sie viel Interesse und Engagement, nahmen viel mit von der Geschichten, die Isabel Lipthay erzählte.

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