Nordstadt-Doku bekommt den Grimme-Preis

Dortmunder in Nominierungskommission

Der Westdeutsche-Rundfunk (WDR) erhält für seine Dokumentation "Nordstadtkinder - Lutwi" den Grimme-Preis in der Kategorie Kinder und Jugend. Das teilte das Grimme-Institut am Mittwoch mit. Ein Dortmunder sorgte dafür, dass die Dokumentation auf der Nominierungsliste landete.

DORTMUND

, 08.03.2017, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Nordstadtkinder - Lutwi", ein Film von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier, erzählt die Geschichte des zwölfjährigen Lutwi aus der Dortmunder Nordstadt. Seine Familie stammt aus dem Kosovo. Luwti hat Angst vor einer Abschiebung. Der Zuschauer erlebt Lutwis Alltag - zwischen enormer Belastung und kindlicher Leichtigkeit - konsequent aus der Perspektive des Jungen erzählt (Schnitt: Gerhard Schnick, Redaktion: Emanuela Penev). 

Wie das Grimme-Institut mitteilte, wird die Nordstadt-Doku in der Kategorie Kinder und Jugend mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Die Verleihung findet am 31. März (Freitag) im Stadttheater Marl statt.

Dortmunder mischte mit

Mit Michel Wilmes hatte ein Dortmunder entscheidenden Anteil daran, dass das WDR-Werk den Sprung auf die Nominierungsliste schaffte. Eine Woche lang hat Michel Wilmes nur Fernsehen geschaut. 150 Produktionen hat er sich angesehen. 19 von ihnen hat er gemeinsam mit vier Medienschaffenden auserwählt, weil sie besonders gut sind, weil sie preiswürdig sind.

Michel Wilmes gehört zur Nominierungskommission für den diesjährigen Grimme-Preis in der Kategorie Kinder und Jugend. Er hat mit seinem Team die Finalisten bestimmt – eine Jury entschied, welche der Nominierten am 31. März im Theater der Stadt Marl ausgezeichnet werden.

Michel Wilmes ist 28 Jahre alt und studiert an der Technischen Universität in Dortmund Grundschullehramt. Er ist gerade im Master. Auf eine Empfehlung hin ist er in die Nominierungskommission gekommen. Weiter will er nicht darauf eingehen, wie er dazu gekommen ist. Lieber redet er darüber, was seine Aufgabe war.

19 Finalisten

Er sei, sagt er, der einzige der fünf Nominierenden gewesen, der beruflich nichts mit der Medienwelt zu tun hat. „So hatte ich sicher einen etwas unvoreingenommeren Blick“, sagt er. Und als jüngster der Kommission war er sogar noch Teil der Zielgruppe im Bereich Kinder und Jugend. Die richtet sich nämlich an Menschen bis 29 Jahre.

Anfang des Jahres haben sich die fünf Mitglieder der Nominierungskommission in Marl getroffen, um die Nominierten für den Grimmepreis in ihrer Kategorie festzulegen. Nach und nach, Tag für Tag haben sie sich die Vorschläge – etwa die neuen, jungen Formate von ARD und ZDF, die unter dem Titel Funk laufen – angesehen. Es sind vor allem Fernsehbeiträge und -sendungen, aber auch Youtube-Formate dabei gewesen. „Fernsehen“, sagt Wilmes, „beschränkt sich längst nicht mehr nur auf das analoge Medium.“

Nach jeder Produktion haben sie entschieden, ob diese weiter im Rennen bleibt. Jeder in der Nominierungskommission sei dabei gleichberechtigt gewesen, erzählt Wilmes. Kriterien waren vor allem die filmische Umsetzung, die Inhalte und, ob die Produktionen kindgerecht sind. Übrig geblieben sind am Ende 19 Produktionen. Die Jury, zu der niemand aus der Nominierungskommission gehört, kürte daraus nun bis zu drei Preisträger.

Mitmach-Fernsehen

Michel Wilmes haben zwei Produktionen besonders gut gefallen. Sein Favorit ist „Ab 18!“, eine 3Sat-Serie, die außergewöhnliche Menschen in besonderen Lebenssituationen zeigt. Gut fand er auch „Tru-Stories“ von Funk. Bei dieser Youtube-Sendung müssen die Zuschauer mitmachen: Sie senden via Whats-App Sprachnachrichten, aus denen dann Illustrationen gemacht werden. „Ich finde, das ist sinnvolles Crossmedia“, sagt Wilmes.

Er habe von dieser Aufgabe auch persönlich etwas mitgenommen. „Ich habe Einblicke in die Jugendkultur bekommen, die ich so nicht mehr habe“, sagt er. „Als angehender Lehrer ist das besonders interessant.“ Was ihn aber auch gefreut hat: Es gibt immer noch Sendungen, die er schon vor 20 Jahren angesehen hat, und die immer noch funktionieren. Die Sendung mit der Maus zum Beispiel.

Der Grimme-Preis wird am 31. März (Freitag) zum 53. Mal im Stadttheater in Marl verliehen. Er ist eine der renommiertesten deutschen Auszeichnungen für Fernsehsendungen. Die Dokumentation "Nordstadtkinder - Lutwi" ist .