Norma mit Luxusstimme

Bellinis Belcanto-Oper

DORTMUND Belcanto wie Bellinis "Norma" ist die Luxusdroge der Opernfreunde. In der Dortmunder Oper ist es Luxus, eine so fantastische Sängerin wie Miriam Clark als Norma zu haben. Bei der Premiere am Samstagabend wurde die erst 31 Jahre junge Sopranistin stürmisch, mit stehenden Ovationen bejubelt.

von Von Julia Gaß

, 04.12.2011, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die großartige Norma (Miriam Clark) mit Wen Wei Zhang als Priester Oroveso im Dortmunder Opernhaus.

Die großartige Norma (Miriam Clark) mit Wen Wei Zhang als Priester Oroveso im Dortmunder Opernhaus.

Die Geschichte der Druidenpriesterin ist eine grausame Geschichte in einem schönen Klanggewand. Regisseur Enrico Lübbe (Chemnitzer Schauspieldirektor, der als neuer Schauspielintendant in Leipzig gehandelt wird) erzählt diese Geschichte ruhig, fast konzertant, mit kaum Aktionismus. Dafür gab es ebenso stürmische Buhrufe.Wenig Interaktion

Dieses Opern-Debüt des 36-Jährigen wirkt wie das Bemühen eines Schauspielregisseurs, die Sänger nicht beim Singen zu stören. Sie sitzen, meist weit voneinander entfernt - was ein Bild sein kann, aber nicht wirkt. Erst am Schluss gibt es stärkere Interaktionen. Statt auf dem Scheiterhaufen sterben Norma und Pollione den Liebestod im Feuer von Benzin, das aus Kanistern über das Paar gegossen wird. Scheiterhaufen passen nicht mehr in unsere Zeit, in der Lübbe das Drama klug ansiedelt, aber mit Benzin übergossen wird man heute auch nicht mehr.

Lübbes Regie ist subtil, legt Wert auf Details. Die Norma hat er mit Kostümbildnerin Bianca Deigner am geschicktesten gezeichnet. Sie ist im Fellmantel und Lederkleid eine Machtfrau, im (nicht gerade vorteilhaften) kermitgrünen Bademantel die Privatfrau und im Mieder die liebende Frau. Rollen wechselt sie wie Gefühle in einem Ankleidezimmer (Bühne: Henrik Ahr), das in der Universalbühne, die drei Stunden stehen bleibt, links immer sichtbar ist. In diesem Zimmer liegen meist Normas beiden Kinder. Allerdings versperrt die trennende Säule auf den Randplätzen auch zum Teil die Sicht. Am besten sieht man auf den Mittelplätzen.

Musikalisch lohnt die Dortmunder "Norma" unbedingt. Miriam Clark ist eine so fantastische Sängerin in dieser Paraderolle der Callas, dass der Begriff Belcanto (Schöner Gesang) für sie erfunden sein könnte. Wie sie die "Casta Diva"-Arie betet, die makellose, glasklare Stimme durch alle Register fließen lässt und das Publikum mit ihrem Ausdruck zutiefst rührt, ist ganz große Kunst. - Eine Offenbarung.

Mikhail Vekua ist ihr Geliebter Pollione. Er protzt zu Beginn sehr mit einem Krafttenor. Es wäre gar nicht nötig, so zu forcieren; dass seine Stimme fürs italienische Fach wie gemacht ist, hört man auch so. Später findet er auch schöne zarte Töne in dieser lyrischen Tragödie.Melodiefest Wen Wei Zhang singt mit einem Bass wie ein Fels Normas Vater Oroveso - ebenfalls eine starke Leistung. Katharina Peetz ist Nebenbuhlerin Adalgisa, auch eine schöne Stimme, die in den Duetten gut mit Miriam Clarks Sopran harmoniert. Lancelot Fuhry leitet die Dortmunder Philharmoniker, die flüssig in Bellinis Melodiefest schwelgen. Hörenswert!

Termine: 14./26.12., 8./14./27.1., 4./25.2.; Karten: Tel. (02 31) 5 02 72 22.  

Trailer zur Oper:

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