Nothilfe für Studenten wird kaum nachgefragt – Grüne kritisieren Karliczek

Coronavirus

Neue Zahlen der Bundesregierung zeigen: Die Hilfen für Studenten in der Corona-Krise werden immer weniger in Anspruch genommen. Die Grünen kritisieren Ministerin Karliczek und warnen vor Studienabbrüchen.

Berlin

01.09.2020, 09:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bildungsministerin Anja Karliczek im Visier der Kritiker: Die Grünen kritisieren sie dafür, dass die Anträge auf studentische Nothilfe rapide zurückgegangen und auch nie wirklich hoch waren. Das läge an dem Rahmen der ohnehin schwachen Studienfinanzierung.

Bildungsministerin Anja Karliczek im Visier der Kritiker: Die Grünen kritisieren sie dafür, dass die Anträge auf studentische Nothilfe rapide zurückgegangen und auch nie wirklich hoch waren. Das läge an dem Rahmen der ohnehin schwachen Studienfinanzierung. © picture alliance/dpa

Die Zahl der Anträge von Studenten auf Corona-Unterstützung ist deutlich zurückgegangen. Rund 40.000 Menschen haben im August einen Antrag auf Überbrückungshilfe für Studenten in akuter pandemiebedingter Notlage gestellt. Im Juni waren es mehr als 82.000 gewesen, im Juli mehr als 71.000 Studenten.

Das geht aus einer Antwort des Bundesbildungsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Kai Gehring hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Die Daten entsprechen dem Stand vom 25. August.

Die Grünen warnen vor Studienabbrüchen. Aus ihrer Sicht liegt die schwache Nachfrage nach den Hilfen daran, dass Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) die Hilfen für die Studenten unwirksam konzipiert hat.

Auch um einen KfW-Studienkredit bemühen sich laut den Daten nur sehr wenige Studenten. Waren es im Juni noch gut 12.000 und im Juli knapp 5600 Anträge, gab es im August bis zum genannten Stichtag nur rund 3100 Anträge.

Nach wie vor riesiger und ungestillter Bedarf an Unterstützung

„Sinkende Antragszahlen auf Corona-Unterstützung dürfen nicht zum Fehlschluss führen, die größte Not der Studierenden sei vorbei“, warnte Kai Gehring, Bundestagsabgeordneter der Grünen. „Es gibt nach wie vor einen riesigen und ungestillten Bedarf an wirksamer Unterstützung.“ Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen kritisierte: „Das leisten weder der KfW-Studienkredit, vor dem Verbraucherschützer warnen, noch die Überbrückungshilfe, die als Zuschuss gezahlt wird.“

Gehring griff die Bundesbildungsministerin scharf an: „Ministerin Karliczek hat die Überbrückungshilfe so konzipiert, dass damit möglichst wenige Studierende unterstützt werden.“ Er setzte hinzu: „Studierenden in Not bleibt nur noch, den Gürtel enger zu schnallen, zu den Eltern zurückzuziehen, um Miete zu sparen, oder das Studium gleich ganz abzubrechen.“

Muss das Bafög reformiert werden?

Eine Öffnung und Modernisierung des Bafög sei „überfällig“, sagte Gehring. „Denn die meisten Ablehnungen auf Corona-Überbrückungshilfe sind dem Umstand geschuldet, dass die Not nicht durch Corona hervorgerufen wurde, sondern schon davor bestand.“ Die Kanzlerin müsse die Bildungsministerin zur Ordnung rufen, wenn Studenten nicht zu Verlierern der Pandemie werden sollten, forderte er.

„Wenn Karliczek und die große Koalition sich weiter weigern, die Studienfinanzierung zu stärken, wird das für viele Studierenden den Studienabbruch bedeuten und das Aus für eine Karriere in der Wissenschaft“, warnte der Grünen-Politiker.

RND

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