NPD-Ratsmitglied betreut Minikicker

Empörung in Wattenscheid

Hochnotpeinliche Situation für die DJK Wattenscheid: Der Fußballklub aus dem Bochumer Westen lässt seine Minikicker von einer NPD-Größe betreuen.

WATTENSCHEID

von Von Uli Kienel

, 01.09.2010, 06:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Claus Cremer, NPD-Landesvorsitzender und Abgeordneter im Rat der Stadt Bochum, betreut die 2. Minikicker-Mannschaft des DJK Wattenscheid. Besorgte Eltern haben deshalb ihre Kinder beim Verein abgemeldet.

Claus Cremer, NPD-Landesvorsitzender und Abgeordneter im Rat der Stadt Bochum, betreut die 2. Minikicker-Mannschaft des DJK Wattenscheid. Besorgte Eltern haben deshalb ihre Kinder beim Verein abgemeldet.

Der Geschäftsführer des Gesamtvereins und Leiter der Fußball-Abteilung, Ibrahim Kulin, reagierte empört und kündigte von Vereinsseite konsequentes Handeln an. „Wir wissen seit einigen Tagen davon, sind auch schon von anderen Trainern unserer Jugendabteilung angesprochen worden und werden schnellstens eingreifen“, sagte Kulin. Er selbst wollte noch am Dienstagabend das Gespräch mit dem Vorsitzenden des Gesamtvereins, Reinhard Fischer, suchen. „So eine Konstellation ist für einen Verein untragbar“, erklärte Kulin. Wenn nicht schnell gehandelt werde, sei der Schaden für die DJK Wattenscheid immens. Dass es überhaupt dazu kommen konnte, dass Cremer die Betreuerfunktion bei den kleinsten Fußballern übernehmen durfte, liegt wohl unter anderem an der Vereinsstruktur.

Der über 800 Mitglieder starke Verein hat vier Abteilungen, die sich selbstständig verwalten, darunter auch die Jugendfußball-Abteilung. Und deren Leiter, so deutete es der Geschäftsführer an, habe wohl nicht überblickt, welche Reaktionen es auslöse, wenn er einen NPD-Mann zum Betreuer junger Fußballer macht. Besorgte Eltern jedenfalls teilten den Ruhr Nachrichten mit, dass sie ihre Kinder bei der DJK Wattenscheid abgemeldet haben, weil sie unter allen Umständen verhindern wollen, dass der Nachwuchs mit dem Gedankengut der rechten Szene in Kontakt gerät. „So etwas kann einen nicht begeistern“, meinte der Vorsitzende des Fußballkreises, Ulrich Jeromin, verwies aber auf die Zuständigkeit der Vereine: „Die sind selbstständig und entscheiden, wen sie als Betreuer für ihre Jugend einsetzen.“ Gabriela Schäfer, Vorsitzende des Stadtsportbundes, kündigte an, sich möglichst schnell mit den Vereinsverantwortlichen unterhalten zu wollen.

Wolfgang Horneck (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Sport im Rat der Stadt, erklärte ebenfalls, das Thema mit dem DJK-Vorstand erörtern zu wollen.   „Das ist mir unverständlich, gerade auch, weil DJK-Vereine so großen Wert auf die Integrität ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter legen. Ich kann mir nur vorstellen, dass da aus völliger Unbedarftheit gehandelt wurde, weil man in kleinen Vereinen erst einmal froh ist über jede helfende Hand.“