NRW-Gesundheitsministerium: An Halloween nicht von Tür zu Tür ziehen

Coronavirus

Die Süßigkeitenjagd an Halloween wird in diesem Jahr klein ausfallen - oder ganz abgesagt. Viele Ärzte haben eine klare Meinung zu dem Gruselfest am 31. Oktober.

Berlin/Düsseldorf

26.10.2020, 13:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Jagd nach Süßigkeiten fällt für viele Kinder in diesem Jahr aus.

Die Jagd nach Süßigkeiten fällt für viele Kinder in diesem Jahr aus. © picture alliance / dpa

„Süßes, sonst gibt’s Saures!“ - das bei Kindern beliebte Um-die-Häuser-Ziehen an Halloween wird von vielen Experten wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr kritisch gesehen. „Die ganz klare Empfehlung ist, den Brauch in diesem Jahr ausfallen zu lassen“, sagt Jakob Maske, Berliner Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Um die Kinder trotzdem nicht zu enttäuschen, suchen Eltern nach Alternativen.

Für anfällige Bevölkerungsgruppen ist der Brauch ein Risiko

Das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen warnt vor dem Gruselbesuch an Nachbars Tür. Besonders für anfällige Bevölkerungsgruppen sei der Brauch ein Risiko. „In Coronazeiten das Grundstück anderer Personen zu betreten und ihnen - zuweilen ungefragt - eine Begegnung, bei der der Mindestabstand vermutlich nicht komplett eingehalten werden kann, „aufzudrängen“, erscheint wenig verantwortungsvoll“, teilte das Ministerium mit.

Der ursprünglich US-amerikanische Brauch ist inzwischen auch in Deutschland weit verbreitet. Am Abend des 31. Oktober wimmelt es vor Häusern normalerweise von Sensenmännern, Zombies oder Skeletten. Viele Kinder ziehen in Gruppen verkleidet von Tür zu Tür, um Süßigkeiten zu sammeln. In diesem Jahr dürften die Straßen leerer sein, denn die Corona-Krise zwingt viele Familien zum Umdenken. „Man weiß ja auch gar nicht, wer da die Tür aufmacht. Eventuell ist es eine Person aus der Gruppe der Risikopatienten“, sagt Maske. Das Risiko einer Ansteckung sei einfach zu hoch.

US-Armee in Deutschland schließt die Zugänge zu Wohngebieten

Die US-Armee in Wiesbaden zieht jetzt sogar drastische Maßnahmen, um Ansteckungen durch Halloween-Feiern zu verhindern. In der hessischen Landeshauptstadt befindet sich die europäische Zentrale der Army - mit großen Wohngebieten für US-Soldaten, in denen an Halloween normalerweise viele amerikanische und deutsche Kinder unterwegs sind. Wie die US-Armee aber mitteilte, werden die Zugänge am Abend des 31. Oktober komplett geschlossen.

Die Behörde erinnerte daran, dass man theoretisch zwar zu zehnt - in Risikogebieten zu fünft - von Tür zu Tür ziehen dürfe, die Einschränkung von Kontakten aber „das Gebot der Stunde“ sei. Gerade für anfällige Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen sei es risikobehaftet, wenn man bei ihnen klingele - und eine Tüte für Süßigkeiten entgegenstrecke.

Auch Kitas raten zu großer Zurückhaltung an Halloween. So werden die Kitas der Hansestadt Lübeck nach Angaben des stellvertretenden Stadtsprechers Hansjörg Wittern den Eltern empfehlen, auf die Süßigkeitenjagd zu verzichten. Auch der Landeselternausschuss Kita Berlin schließt sich dieser Empfehlung an. „In Zeiten, in denen die Corona-Zahlen deutlich steigen, zieht man nicht in Gruppen um den Block und klingelt an zig Häusern“, sagt die Vorsitzende Corinna Balkow.

Die Krise verdirbt der Spielwarenindustrie das Geschäft

Die Corona-Krise verdirbt nicht nur vielen Kindern das Gruselfest, sie wirkt sich auch auf das Geschäft der Spielwarenindustrie aus. Der jährliche Umsatz an Halloween liegt laut dem Deutschen Verband der Spielwarenindustrie normalerweise zwischen 50 und 100 Millionen Euro. „Das Niveau der letzten Jahre wird kaum zu erreichen sein“, prognostiziert Verbandsgeschäftsführer Ulrich Brobeil.

Viele Online-Kostümhändler verzeichneten dagegen keine großen Schwankungen, sagt Felix Schirl, Geschäftsführer von trbo. Zu den Kunden des Technologieunternehmens gehören nach Unternehmensangaben mehrere Online-Kostümhändler. „Insbesondere Familien mit Kindern freuen sich auf Halloween, darauf wollen sie nicht verzichten.“

Auch Brobeil hält das Um-die-Häuser-Ziehen an Halloween für nicht so risikoreich wie viele Ärzte oder Eltern. Schließlich gingen viele der Kinder auch in dieselbe Klasse oder denselben Sportverein. Zudem könne jeder selbst entscheiden, die Tür zu öffnen oder nicht. „Oder er stellt etwas vor die Tür, wenn ihm das Risiko zu hoch erscheint“, so Brobeil. Die Kinder hätten in diesem Jahr schon genug mitmachen müssen. Man solle ihnen nicht auch noch diese Freude nehmen.

RND

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