NRW öffnet in der Corona-Krise trotz Widerständen erste Schulen

Coronavirus

Ein kleiner Schritt zurück in eine Normalität, die eigentlich keine ist: In NRW öffnen die ersten Schulen unter starken Sicherheitsvorkehrungen. Viele haben dagegen erhebliche Gesundheitsbedenken.

Düsseldorf

23.04.2020, 07:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Schulen in NRW öffnen wieder.

Die Schulen in NRW öffnen wieder. © picture alliance/dpa

Fast sechs Wochen nach der Schließung der Schulen in Nordrhein-Westfalen wegen der Corona-Krise öffnen viele am Donnerstag erstmals wieder ihre Pforten für Tausende Prüflinge. Das Schulministerium rechnet mit maximal 250 000 von insgesamt 2,5 Millionen Schülern in NRW.

Den knapp 90 000 Abiturienten ist es freigestellt, wieder zur Schule zu kommen, weil sie nach den Osterferien ohnehin keinen regulären Unterricht mehr gehabt hätten. Für Schüler, die vor anderen Abschlussprüfungen stehen, gilt dagegen Schulpflicht.

Die CDU/FDP-Koalition in NRW nutzt mit der Entscheidung die früheste Option einer Bund-Länder-Vereinbarung zur Schulöffnung. Oppositionsparteien sowie Schüler- und Lehrervereinigungen haben erhebliche Bedenken wegen gesundheitlicher Risiken für Schüler, Lehrer und deren Angehörige.

Das Aktionsbündnis „Schulboykott NRW“ will sich am Donnerstag (10 Uhr) vor der Düsseldorfer Staatskanzlei zu einer zweiten kleinen Kundgebung in dieser Woche treffen. Die Aktivisten fordern, das Abitur 2020 nach Durchschnittsnoten zu vergeben statt nach Abschlussprüfungen. Wegen hoher Sicherheitsauflagen ist die Protestaktion nach Angaben der Veranstalter mit nur 25 Teilnehmern vor Ort geplant.

Gründen fordern einen Stopp des Schulstarts

Laut einer Umfrage für die FDP-Landtagsfraktion befürworten fast 57 Prozent von 2002 repräsentativ befragten Bürgern in NRW eindeutig oder eher Abiturprüfungen unter Schutzmaßnahmen. Nur ein Drittel der Befragten wollen eindeutig oder eher die bisherigen schulischen Leistungen zur Grundlage der Abiturnote machen, wie die „WAZ“ erfuhr. Die Grünen forderten hingegen in einem Brief an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), sich zu besinnen und den Schulstart auf den letzten Drücker noch zu stoppen, wie die „Rheinische Post“ berichtete (beide Donnerstagsausgabe).

Erst am Mittwoch hatte die Landesregierung Empfehlungen mit Verhaltensregeln zur Schülerbeförderung veröffentlicht. Dort wird unter anderem die „Bitte“ geäußert, lieber zu Fuß oder per Fahrrad zur Schule zu kommen als mit Bus und Bahn. Außerdem sollten die Schüler ihre Handy-Displays regelmäßig reinigen und in Bus und Bahn weder Gespräche führen noch essen oder trinken.

Landesregierung garantiert Unterstützung

Kritiker der Schulöffnung sehen die Corona-Hygienestandards an den Bildungseinrichtungen nicht gewährleistet. Die Landesregierung garantierte hingegen allen Schulen, die akute Probleme bei der Beschaffung von Desinfektionsmitteln oder Schutzmaterial haben, Unterstützung. Nach Angaben des Schulministeriums hatten bis zum Mittwoch rund zehn Prozent der Schulen das Hilfsangebot in Anspruch genommen.

Im Landtag hatte Gebauer am Mittwoch deutliche Kritik an Versäumnissen der kommunalen Schulträger geübt, die für die Hygiene in den Einrichtungen verantwortlich seien. Trotz üppig ausgestatteter staatlicher Hilfsprogramme seien die Gelder vielerorts nicht zur nötigen Sanierung und Ausstattung der Schulen abgerufen und verwendet worden. „Da gibt es manchen Offenbarungseid“, stellte die Ministerin im Schulausschuss fest.

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