NRW-Schulministerium verteidigt Präsenzunterricht trotz Corona

Coronavirus

Ein Schulleiterverband hat in einem Offenen Brief zum Generalangriff auf die Schulpolitik in Corona-Zeiten ausgeholt. Aus Sicht des NRW-Schulministeriums ist das nicht gerechtfertigt.

Düsseldorf

25.08.2020, 19:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Trotz Corona-Pandemie können nach Angaben des Schulministeriums über 99 Prozent aller Schüler und Schülerinnen in NRW wieder an regulärem Unterricht teilnehmen.

Trotz Corona-Pandemie können nach Angaben des Schulministeriums über 99 Prozent aller Schüler und Schülerinnen in NRW wieder an regulärem Unterricht teilnehmen. © picture alliance/dpa

Trotz Corona-Pandemie können nach Angaben des Schulministeriums über 99 Prozent aller Schüler und Schülerinnen in Nordrhein-Westfalen wieder an regulärem Unterricht teilnehmen. Das berichtete Schulstaatssekretär Mathias Richter (FDP) am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

Schulministerium reagiert auf drastische Kritik

Die hohe Quote zeige, dass „die Entscheidung für einen angepassten Schulbetrieb in Corona-Zeiten genau die richtige“ gewesen sei, unterstrich der FDP-Politiker. Das Schulministerium reagierte mit der Zwischenbilanz zwei Wochen nach dem Ende der Sommerferien auf drastische Kritik der Schulleitungsvereinigung (SLV) NRW.

Die hatte in einem Offenen Brief an den Ministerpräsidenten kritisiert, unter den gegebenen Bedingungen könne „gar kein normaler Unterricht stattfinden“. Das Schulministerium ignoriere die Voraussetzungen vor Ort - etwa Fenster, die sich in manchen Klassenzimmern gar nicht zum Lüften öffnen ließen.

Drei Schulleitungsverbände distanzieren sich

Drei Schulleitungsverbände distanzierten sich am Dienstag ausdrücklich von der „Pauschalkritik“ des SLV. Das Schulministerium habe „in den coronabedingten Ausnahmezeiten seit März 2020 keineswegs „unreflektiert und oberflächlich“ entschieden und gehandelt“, hielten die Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen in NRW sowie die Rheinische und die Westfälisch-Lippische Direktorenvereinigung in einem eigenen Brief an den Ministerpräsidenten und die Schulministerin dagegen.

Der Vorsitzende des SLV habe fälschlicherweise den Eindruck erweckt, für alle Schulleitungsverbände zu sprechen, kritisierte der Sprecher der Gesamtschulleitervereinigung, Mario Vallana. In dem Brief der drei vom SLV abgerückten Verbände heißt es: „Die aktuell gegebenen schulpolitischen Rahmensetzungen sind richtig, angemessen - und im engen Austausch aller Beteiligten abgestimmt worden.“ Das bekräftigte auch der Schulstaatssekretär.

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Gemeinsame Vorbereitungen: "Schulstart gut gelungen“

Wegen der gemeinsamen Vorbereitungen sei „der Schulstart gut gelungen“, unterstrich Richter. Das Recht der Schüler auf Bildung werde mit dem Gesundheitsschutz aller am Schulleben Beteiligter in Einklang gebracht. Das Ziel, trotz Corona möglichst vollständig zum normalen Unterricht zurückzukehren, sei kein NRW-Alleingang, sondern werde von allen 16 Bundesländern verfolgt.

Zum Stichtag 19. August sei an rund 98 Prozent von fast 3200 Schulen in NRW, die auf eine entsprechende Umfrage geantwortet hätten, regulärer Unterricht im Klassenzimmer erteilt worden, teilte das Ministerium mit. Nur drei Schulen seien zum Zeitpunkt der Erhebung vollständig geschlossen gewesen, 66 weitere hätten Teilschließungen vermeldet. Rund 97 Prozent der Lehrkräfte haben demnach normalen Unterricht vor Ort erteilen können.

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Zum Stichtag hätten sich 524 Lehrer in Quarantäne befunden

524 Lehrer hätten sich in Quarantäne befunden, bei 30 sei bis Mitte vergangener Woche eine Corona-Infektion bestätigt worden. Unter den Schülern seien rund 5000 in Quarantäne bei über 300 bestätigten Infektionen. Auch die Landesschülervertretung und der Lehrerverband Bildung und Erziehung hatten zum Schulstart grundsätzlich Verständnis geäußert, dass NRW versuche, mit Maskenpflicht - die für ältere Schüler sogar im Unterricht gilt - den Schritt zurück ins Schulleben zu wagen.

„Die Maßnahme ist ganz bewusst vorerst bis Ende August befristet, um bis dahin zu entscheiden, ob die tatsächlich weiterhin nötig sein wird“, erklärte das Schulministerium.

dpa/Bettina Grönewald