Nur Bettszenen erheischten Aufmerksamkeit

WITTEN Mit Fernsehprominenz besetzt präsentierte die Volksbühne eine Bühnenversion der "Reifeprüfung". Den meisten ist diese 1963 von Charles Webb geschriebene Geschichte durch die Verfilmung mit Dustin Hoffmann und Anne Bancroft bekannt.

von Von Martin Schreckenschläger

, 05.11.2007 / Lesedauer: 2 min
Nur Bettszenen erheischten Aufmerksamkeit

Anja Kruse und Sebastian Schlemmer erheischten mit Bettszenen und erotischen Schattenspielen Aufmerksamkeit.

Uraufführung im Theater hatte das Stück jedoch erst zur Jahrtausendwende, bearbeitet von Terry Johnson.

Auf die Songs von Simon & Garfunkel verzichtete auch René Heinersdorff in seiner Inszenierung nicht. Die Verführung des College-Absolventen Benjamin Braddock durch die doppelt so alte Mrs. Robinson hinter der Heile- Welt-Fassade der amerikanischen Gesellschaft erledigte Anja Kruse routiniert.

Als der junge Mann sich in ihre Tochter Elaine verliebt, lässt sie ihn fallen und intrigiert gegen ihn. Die eigenen Eltern, Freunde der Robinsons, sind schließlich - um der guten Geschäftsbeziehung willen - bereit, ihn der Psychiatrie auszuliefern.

Mutter entlarvt sich selbst

Elaine schickt sich an, einen anderen zu heiraten, bis ihre Mutter sich unfreiwillig selbst entlarvt, den beiden schließlich Schützenhilfe gewähren muss. Gezeichnet wird dabei das Bild eines Amerika, das Profit und bigotte Doppelmoral über Menschlichkeit und echte Zuneigung stellt.

Agieren ließ Heinersdorff seine Darsteller vor einer Wand aus Lamellentüren, die als Schrankfront wie Kirchenportal und Nachtclub diente. Einzig die jungen Leute Ben (Sebastian Schlemmer) und Elaine (Emily Nora Brede) boten genügend seelischen Tiefgang, sich mit ihnen zu identifizieren.

Naive, selbst bezogene Hausfrau

Vater Braddock (Stephan Schleberger) als grobschlächtiger Macho, Bens Mutter (Susanne Huber) als naive, auf sich selbst bezogene Hausfrau und Mr. Robinson (Thomas Weber-Schallauer) als selbstgerechter Hagestolz legten ihre Rollen als skurril vorbestimmte Charaktere ganz im Sinne der Commedia del Arte an. Anja Kruse fügte als intrigant-egoistischer Vamp nur einen weiteren Typus hinzu.

Mehr als einen Anstandsapplaus jedoch vermochte das flache Sujet dem Publikum nicht zu entlocken.