Nur Tschaikowskis Musik bietet in der Oper „Pique Dame“ noch Sinnlichkeit

Essener Aalto-Theater

In der Inszenierung von Philipp Himmelsmann erlebt die Oper „Pique Dame“ am Essener Aalto-Theater eine düstere, aber packende Deutung. Auch das Bühnenbild sorgte für Endzeitstimmung.

14.10.2019, 14:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nur Tschaikowskis Musik bietet in der Oper „Pique Dame“ noch Sinnlichkeit

Die „Pique Dame“-Inszenierung bringt russische Endzeitstimmung auf die Bühne des Aalto-Theaters. © Monika Forster

Endzeitstimmung herrscht auf der Bühne von Johannes Leiacker zu Philipp Himmelmanns Inszenierung der Oper „Pique Dame“, mit dem das Essener Aalto-Theater am Samstag in die neue Saison startete: Hermann, die zentrale Figur, hockt in einer Wasserlache, dahinter wüstes Feld mit schiefem Strommast sowie die Kühltürme eines Kraftwerks. Immer wieder senken sich rostbraune Folien herab, fallen zu Szenenwechseln auf den Boden.

Der Held ist als Außenseiter gezeichnet

Himmelmann konzentriert das Ganze auf Hermann, der anfangs kein Glück in der Liebe und am Ende kein Glück im Spiel hat, zeichnet ihn als Außenseiter, Underdog und Wahnsinnigen in einer kalten, lieblosen Welt. Genrestücke wie der Eingangschor, der Chor der Spaziergänger oder auch das Schäfer-Intermezzo im zweiten Akt haben da keinen Platz. Insgesamt wurde die Oper um eine Dreiviertelstunde Musik gekürzt. So kann sich das albtraumhafte Psychodrama in pausenlosen zwei Stunden entfalten.

Sergey Polyakov ist ein darstellerisch und stimmlich überragender Hermann, füllt die anspruchsvolle Partie, mit der er schon in Petersburg, London und zuletzt an der Rheinoper brilliert hat, konditionsstark und differenziert aus. Seine vokalen Reserven scheinen unerschöpflich.

Die Gräfin geistert wie eine Wahnsinnige über die Bühne

Heiko Trinsinger als sein Rivale Jelitzki muss dagegen zwangsläufig verblassen, trotz feinnervigen Singens. Lisa, das gemeinsame Ziel der Begierde, wird von Gabrielle Mouhlen ohne zu forcieren, aber auch ohne große Durchschlagskraft gesungen.

Zur zweiten großen Heldin des Abends avanciert Helena Rasker in der Rolle der als „Pique Dame“ bezeichneten Gräfin, die das Geheimnis der drei Karten kennt, mit denen man jedes Glücksspiel gewinnt.Wie eine greise Wahnsinnige geistert sie umher. Stets ein gerahmtes Porträt der russischen Zarin Katharina II. mit sich führend, ist sie das Relikt einer vergangenen, besseren Zeit. Es ist anrührend zu sehen, wie die Zerbrechliche stolz posiert und zuletzt gleichsam zur Doppelgängerin Hermanns wird.

Sinnlich aufblühende Klänge aus dem Graben

Die Essener Philharmoniker unter Tomás Netopil bereichern das Musikdrama um fahle wie sinnlich aufblühende Klänge.

Termine: 17. / 26. / 31. 10., 3. / 13. / 16. 11., 11. 12.; Karten: Tel. (0201) 812 22 00. www.theater-essen.de