„Nussknacker“ wie aus dem Bilderbuch

Ballett Dortmund

Wenn ein zehnjähriges Kind ein Bild von Tschaikowskys Ballett "Der Nussknacker" malen würde, dann sähe es wohl ähnlich aus wie das Bühnenbild von Paul Cox. Die Neuinszenierung von Tanzstar Benjamin Millepied feierte am Sonntag eine Bilderbuch-Premiere im Dortmunder Opernhaus.

DORTMUND

, 19.10.2015, 10:02 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wie aus dem Bilderbuch: Tschaikowskys „Nussknacker“ ist in Dortmund ein buntes Vergnügen. Foto: Bettina Stöss

Wie aus dem Bilderbuch: Tschaikowskys „Nussknacker“ ist in Dortmund ein buntes Vergnügen. Foto: Bettina Stöss

Ein wenig hat Millepied die Geschichte modifiziert. Es gibt nur die kleine Clara (wunderbar anmutig gespielt von Sarah Falk), und der Nussknacker ist erst ein hölzerner Frosch und dann ihr kleiner Prinz (tolles Nachwuchstalent: Alysson da Rocha Alves).

Auf Skiern gleitet die Weihnachtsfestgesellschaft in das bunte Playmobil-Häuschen; Cox schafft trotz der reduzierten, gradlinigen Kulissen in einer bunten Bauklötzchen-Welt fantasievolle Räume: Im dritten Bild tobt der Kampf zwischen Mäusen und Zinnsoldaten zwischen riesigem Mobiliar, das so aussieht, wie kleine Kinder es sehen würden. Und der erste Akt endet mit einem romantischen Ballett der Schneeflocken (mit dem Kinderchor der Chorakademie am Bühnenrand).

Die Welt steht Kopf

Der zweite Akt ist ein Tanzfest, dessen Einlagetänze aus Russland, China, der Mongolei, Spanien und Griechenland Clara und ihr Prinz aus einer Zuckerbonbonwelt-Welt, die Kopf steht, beobachten.

So fantasievoll wie Millepieds Choreografien sind die Kostüme von Paul Cox: Die Lebkuchenmutter mit Riesentütü (Dann Wilkinson) ist ein Conchita-Wurst-Pendant zu Humperdincks Märchenhexe, und im Blumenwalzer drehen sich die Paare mit Blumentöpfen auf dem Kopf.

Millepied fordert mit schweren Tanzschritten, Hebungen und Bewegungsfolgen die Tänzer sehr; etwas werden sich die Abläufe im Laufe der folgenden 14 Vorstellungen noch einspielen. Und auch die Dortmunder Philharmoniker unter Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz werden dann präziser klingen. Zart und wie ein Rokoko-Spitzendeckchen breitete das Orchester die Musik im Graben aus.

Französische Eleganz

Spitzentanz (der Zuckerfee Jelena-Ana Stupar) sieht man in den gut zwei Stunden ebenso wie neoklassizistischen Tanz (hervorragend: Stephanine Ricciardi und Andrei Morariu als Elternpaar) oder komödiantisches Ballett (Barbara Melo Freire und Davide D'Elia als rumpelige Großeltern-Tanzteufel).

Auch jüngere Kinder werden Vergnügen an diesem prall-bunten, kurzweiligen "Nussknacker" im Dortmunder Opernhaus haben. Für die Erwachsenen gibt es in dem französisch elegant choreografierten Handlungsballett viel zum Schmunzeln und Staunen. Und Märchenzauber stellt sich auch ein, obwohl dies kein Nussknacker mit Lametta-glitzerndem Tannenbaum ist.

Termine: 24./31.10., 7./ 13./27./29.11., 13./17./ 20./26.12., 10./23./28.1., 17. 2.; Karten: Tel. (0231) 5027222.

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