Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz über das Jahr 2010 und ihr persönliches Horoskop

Interview

Was Horoskope taugen, lässt sich erst im Nachhinein überprüfen. Ottilie Scholz wagt den Test. Ob das Jahr 2010 gehalten hat, was die Horoskop-Schreiber versprachen, erzählte sie RN-Mitarbeiter Benedikt Reichel im Interview.

BOCHUM

31.12.2010, 07:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ottilie Scholz im Interview.

Ottilie Scholz im Interview.

…zieht weiter, heißt, es geht weiter so?

(Lacht) Ich hab’s gemerkt.

Also einige haben gesagt, das war ein sehr anstrengendes Jahr. Ich habe das nicht so empfunden. Die Jahre sind alle nicht leichter geworden. Es ist ein Auf und Ab. Es gibt gute Sachen und Ärger. 2010 war ein Jahr mit genau dieser Mischung.

Bei Dingen, die wir auf den Weg bringen, frage ich mich manchmal, ob ich mich genügend dargestellt habe, vermittelt habe, mit welchen Kraftanstrengungen das verbunden war. Aber ich persönlich lege da nicht genügend Wert drauf. In den seltensten Fällen bekommt man ein ausdrückliches Lob. Aber bei der Loveparade-Tragödie in Duisburg habe ich viele Briefe bekommen, in denen sich Menschen bei mir bedankt haben, dass die Loveparade nicht in Bochum stattfand.

Wir haben in diesem Jahr zwei Haushalte verabschiedet und natürlich gab es Kürzungen. Aber große Schreierei ist nicht angesagt, weil wir nach dem Prinzip gehandelt haben, dass keine Strukturen kaputt gehen sollen. Und wir haben Lösungen gefunden, entweder durch die Stadt selber oder in manchen Fällen hat die Sparkasse geholfen.

Ich habe viel gelernt in 2009. Da mussten viele Entscheidungen getroffen werden, die nicht nur Gefallen gefunden haben. Häufig nahm das eine persönliche Wendung ein. Da habe ich gelernt, irgendwann bist du ganz allein. Und dann habe ich aufgehört, mich über bestimmte Sachen aufzuregen. Das gelingt mir immer besser. Und das hat mir 2010 auch geholfen, dass ich mich nicht über jede Geschichte aufrege.

Die Schachtzeichen fand ich ganz toll, obwohl ich sie anfangs spleenig fand. Aber das war toll. Das Stillleben fand ich Klasse. Dieser ganze Kulturhauptstadtteil bleibt vielen und auch mir in Erinnerung. Auch die Frauen-WM. Und natürlich unsere Superveranstaltungen wie BochumTotal, der Musiksommer, der SparkassenGiro oder Bochum kulinarisch.

An dem Samstag von BochumTotal gehe ich Samstagmittag, bevor es richtig losgeht, mit der Rechtsdezernentin und dem Herrn Gloria einmal durchs Bermuda3Eck. Und da probten gerade Urbanatix an der Marienkirche und wir drei sind in die Kirche gegangen, in die Sakristei und dort habe ich den Apparat gefunden und auf den Knopf gedrückt und plötzlich fingen die Glocken an zu läuten. Das fand ich grandios.

Wichtig ist, sich nicht von jeder Situation negativ beeinflussen lassen. Auch wenn manche Entwicklungen nicht so schnell oder nicht so schnell verkraftbar sind. Aber da muss man an die eigenen Stärken glauben. Wir haben Konflikte und schwierige Situationen immer bewältigt. Der Glaube an die Zukunft und dass man diese mitgestalten kann, ist ganz wichtig.