Ökonomen: Wie die eskalierende Nahost-Krise die deutsche Wirtschaft erschüttert

Nahost-Konflikt

Wie sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran entwickelt, ist unklar. Für die deutsche Wirtschaft sind unmittelbare Folgen noch überschaubar. Auf lange Sicht könnte das anders sein.

Berlin

04.01.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ökonomen: Wie die eskalierende Nahost-Krise die deutsche Wirtschaft erschüttert

Demonstranten in Teheran halten ein Bildnis des bei einem US-Drohnenangriff nahe dem Flughafen von Bagdad getöteten iranischen Top-Generals Soleimani. Wie gefährlich wird der Konflikt zwischen den USA und Iran für die deutsche Wirtschaft? © Ahmad Halabisaz/Xinhua/dpa

Die deutsche Wirtschaft steht bei einer weiteren gefährlichen Eskalation des Konflikts im Nahen Osten aus Sicht führender Ökonomen vor einer zusätzlichen Belastungsprobe.

Hintergrund sei vor allem die hohe Exportabhängigkeit deutscher Unternehmen, wie die Präsidenten des Berliner DIW und des Kieler IfW, Marcel Fratzscher und Gabriel Felbermayr, deutlich machten.

Krisen belasten die Weltwirtschaft - und damit den Standort Deutschland

„In diesen Zeiten enormer Unsicherheiten wäre ein Nahostkonflikt das Letzte, das die Wirtschaft verkraften kann“, sagte Fratzscher, Präsident des Deutsches Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Aus Sicht des IfW-Chefs Felbermayr verstärken solche Krisen die politische Unsicherheit und sind damit ein weiterer Faktor, der die Weltwirtschaft belastet.

Deutschland sei angesichts zunehmender geopolitische Risiken „gut beraten, sich wetterfest zu machen, indem es die Kräfte für wirtschaftliche Dynamik stärkt“, sagte der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

Börsen rutschten am Freitag weltweit ins Minus

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie die gefährliche Eskalation in der Golfregion insgesamt hatten zuletzt an den Finanz- und Rohstoffmärkten weltweit für Unruhe gesorgt.

Die USA hatten bei einem Luftangriff im Irak den hochrangigen iranischen Kommandeur Ghassem Soleimani getötet. Iran drohte mit Vergeltung, Israel befindet sich in erhöhter Alarmbereitschaft. Börsen rutschten am Freitag weltweit ins Minus, zugleich stieg der Ölpreis.

Deutsche Wirtschaft: Hohe Abhängigkeit von Exporten

Hohe Abhängigkeit von Exporten macht deutsche Wirtschaft so verletzlich

In Zeiten der Handelskonflikte und des Brexits könnte eine kriegerische Auseinandersetzung die Weltwirtschaft und vor allem den Welthandel weiter deutlich schwächen, sagte Fratzscher weiter.

„Vor allem die hohe Abhängigkeit von den Exporten macht die deutsche Wirtschaft sehr verletzlich für einen solchen Konflikt.“ Auch durch höhere Öl- und Energiepreise würden deutsche Konsumenten einen solchen Konflikt direkt zu spüren bekommen.

Deutschland: Unmittelbare wirtschaftliche Bedrohung überschaubar

Felbermayr betonte, auf Basis der bisherigen Ereignisse seien zunächst keine unmittelbaren und dauerhaften wirtschaftlichen Auswirkungen zu erwarten. „Sollte ein ausufernder Konflikt den Nahen Osten insgesamt destabilisieren, sähe die Lage anders aus, weil dann auch die Energiequellen dort betroffen sein könnten und ein Großkonflikt die weltwirtschaftliche Dynamik belastet.“

Für Deutschland sind die unmittelbaren wirtschaftlichen Bedrohungen nach Ansicht des IfW-Ökonomen überschaubar. Die Abhängigkeit der deutschen Volkswirtschaft vom Ölpreis sei seit den 1970er Jahren stark gesunken. Wegen der Energiewende spiele Öl zum Beispiel in der Stromversorgung keine Rolle mehr.

Auch als Industrierohstoff sei Öl vielerorts durch andere Stoffe ersetzt worden: „Die steigende weltwirtschaftliche Unsicherheit – auch ausgelöst durch andere Faktoren - wirkt aber als Dämpfer für die Konjunktur in Deutschland.“

RND/dpa

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