Ohne Führerschein: Warum Reus nie aufgefallen ist

Fragen und Antworten

Insgesamt fünf Mal wurde BVB-Star Marco Reus geblitzt und nie ist aufgefallen, dass er keinen Führerschein hat. Jetzt zahlt Reus eine Strafe von 540.000 Euro für das Vergehen. Wie konnte Reus aber überhaupt so lange ohne Führerschein fahren, ohne dass jemandem etwas aufgefallen ist? Antworten finden Sie hier.

Dortmund

, 19.12.2014, 11:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ganz genau. "Ein Abgleich erfolgt erst, wenn eine gewisse Punktegrenze überschritten wird. Dann wird die Führerscheinstelle informiert", sagt der ADAC-Verkehrsexperte Markus Schäpe. Nach dem alten Bußgeldkatalog, der bis Ende April 2014 galt und damit für Reus' Fall entscheidend ist, liegt diese Grenze bei acht Punkten. Reus hat sie offensichtlich nicht überschritten. "Das heißt, mit seinem Punktekonto scheint Marco Reus ganz ordentlich gehaushaltet zu haben."

Das Gericht kann ihm nur die fünf Fahrten nachweisen, bei denen er geblitzt wurde sowie die eine Fahrt, bei der er kontrolliert wurde. Wie oft er wirklich schon seit seinem 18. Lebensjahr ohne Führerschein gefahren ist, ist reine Spekulation. Deshalb bezieht sich die Strafe nur auf insgesamt sechs Fahrten. 

Ja, denn weder für den Autokauf noch für die Zulassung braucht man in Deutschland einen Führerschein. Bei der Zulassung muss man nur den Personalausweis vorzeigen neben verschiedenen Dokumenten wie die Versicherungsbestätigung oder den Fahrzeugbrief. Wichtig ist, dass der Fahrzeughalter die Kfz-Steuer zahlt. 

Mit dem Urteil wurde keine Führerschein-Sperre verhängt, also kann Reus den nun sofort nachholen. Er muss voraussichtlich noch nicht einmal mit einer Medizinisch Psychologischen Untersuchung (MPU) rechnen. Das meint jedenfalls Verkehrsrechtsanwältin Daniela Mielchen. Beim ersten Vergehen dürfe ihrer Einschätzung nach noch nicht mit dem so genannten "Idiotentest" zu rechnen sein. "Sollten aber mehr als zwei Verurteilungen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vorliegen, wird die Führerscheinstelle die MPU-Auflage erteilen." 

"Ein Tagessatz stellt in Deutschland immer ein Dreißigstel des monatlichen Netto-Einkommens dar", so ADAC-Verkehrsexperte Markus Schäpe. Reus hat der Staatsanwaltschaft seine Einkünfte offen gelegt: Bei einem Nettoeinkommen von 180 000 Euro beträgt der Tagessatz also 6 000 Euro. Die einfache Rechnung 90x6000 Euro ergibt die Strafe von 540 000 Euro. Übrigens: Ab einer Strafe von 91 Tagessätzen wäre Reus auch vorbestraft gewesen. "Bei jemandem, der wiederholt und nachweislich mehrere Fahrten ohne Führerschein gemacht hat, sind 90 Tage der gängige Tarif", so Schäpe. 

Wenn man davon ausgeht, dass jemand ein monatliches Netto von 1200 Euro hat, dann läge der Tagessatz bei 40 Euro, multipliziert mit 90 kommt man auf 3600 Euro. Mit unserem Rechner können Sie ausrechnen, wie viel Sie bei Ihrem Gehalt zahlen müssten.

Lesen Sie jetzt